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Es mangelt am mystischen Mischklang


Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

Jörg Halubek spielt Wagner auf der Orgel in Bad Cannstatt.

Wagner auf der Orgel? Der Musikkenner stutzt, denn dem Kircheninstrument stand der Bayreuther Meister nicht gerade nahe. Originalkompositionen Richard Wagners für die Orgel gibt es nicht, für Jörg-Hannes Hahn ist das aber kein Hindernis, bei den alljährlichen Sommer-Konzerten in der Stadtkirche Bad Cannstatt von den gastierenden Interpreten einen Beitrag zum Wagner-Jubiläum zu verlangen.

Am Sonntag hatte Jörg Halubek vor gut gefüllten Reihen Sigfrid Karg-Elerts Bearbeitung des „Parsifal“-Vorspiels aufs Programm gesetzt. Leise raunend setzt die Musik ein, immer wieder schälen sich einsame Register als Sololinien heraus, interessante Dynamikeffekte, auch manch Hintergründiges aus dem geschlossenen Schwellkasten hat Halubek zu bieten. Der Mittdreißiger bietet allerlei Klangfarbenfantasie auf, und auch in der technischen Beherrschung ist er bei diesem Stück über alle Zweifel erhaben. Und dennoch befriedigt das Ergebnis nicht. Wo Wagner mit sich entwickelnden Klängen, mit kaum zu bemerkenden Farbwechseln im Prinzip der unendlichen Melodie arbeitet, muss die Orgel, egal wie differenziert ihre Registrierung ist, beinahe versagen, da auf diesem Instrument der allmähliche Wechsel kaum möglich ist. Als Folge zerfällt die Musik in klar voneinander abgegrenzte Phrasen, anstatt den mystischen Zauber des Wagner’schen Mischklangs zu entfalten.

 

Vor allem im Vergleich mit den zwei musikalischen Schwergewichten, die Halubek als Rahmen für sein Konzert gewählt hatte, fiel das deutlich auf. Johann Sebastian Bachs großes Paar aus Präludium und Fuge e-Moll BWV 548 hatte er an den Anfang gestellt und damit demonstriert, dass man diesem polyfonen Werk mit einem satten Tonfall, einer  markanten Pedal-Registrierung und manueller Brillanz eine geradezu sinfonische Dimension verleihen kann. An diese knüpfte nahtlos das letzte Stück des mit viel Beifall bedachten Konzerts an. Max Regers Fantasie über den Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ist ein Prototyp romantischer Orgelmusik. Hier gelingt Jörg Halubek ein gigantischer Bogen von über 15 Minuten Länge, der sich aus dunk- len Gefilden der ersten Takte bis hin zum jubelnden Finale spannt.

Erstaunlicherweise überzeugt hierbei auch die vielschichtige Gestaltung des Klangbilds deutlich mehr als beim „Parsifal“-Vorspiel. Dicht und kompakt ist der Tonfall, ändert sich häufig, scheint aber doch homogen sich zu entwickeln, und vor allem steigert er sich kontinuierlich. Ein interessanter Gegenpol war das vor allem zum vorangestellten „Chant d’oiseaux“ von Olivier Messiaen, bei dem Halubek die Orgel zwitschern, singen und brummen lässt und dabei mit möglichst heterogenen Farben, radikalen Schnitten und dem Prinzip des musikalischen Kontrastes arbeitet.