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Giuseppe Verdis schönste Oper


Stuttgarter Nachrichten | Susanne Benda

Der Bachchor unter Jörg-Hannes Hahn mit der "Messa da Requiem"

Er ist berechnend, und die Rechnung geht auf. Giuseppe Verdi, mit allen Wassern des Musiktheaters gewaschen, kennt die Schwächen des Viervierteltaktes gut. Dessen zweiter und der vierter Schlag, weiß er, sind blasse Gesellen, und so trifft sie am Tag des letzten Gerichts zurecht der Schlag. Immer wieder lässt der Schlagzeuger die Pauke knallen, und weil das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim am Sonntag in der Bad Cannstatter Lutherkirche akustisch ebenfalls sehr präsent ist, gerät Verdis Requiem hier zu einem hochdramatischen geistlichen Theater-Spektakel. Von der Empore und von den Seiten tönt das Blech. So ist der Tag der letzten Posaune lauter Genuss.

Dem gut einstudierten Bachchor verlangt Jörg-Hannes Hahn eine prägnante Textaussprache ab; auch dies schärft die wirkungsvoll ausgespielten Gesten und Kontraste im Orchester. Gelegentliche Meinungsverschiedenheiten bei den Streichern fallen vor allem im Offertorium auf, aber nicht weiter ins Gewicht. Und dass der Chor die "Liberame"-Fuge nicht mehr mit letzter Genauigkeit hinbekommt, dürfte einer verständlichen finalen Erschöpfung der Sänger geschuldet sein.

Unter den Solisten ist der Bassist Michael Volle der Star: expressiv, präzise, ein Sänger mit Ideen und mit dem Potenzial, diese exakt umzusetzen. Helena Zubanovich hat eine jener farbreichen, dunklen Mezzosopran-Stimmen, die sich bei Verdis Musik wohlfühlen müssen; schade nur, dass die Polin nicht frei genug singt. Joseph Cheon versieht die Tenorpartie mit schönem Ton, aber neutralem Ausdruck. Und als Sopran-Einspringerin gefällt Karine Babajanian mit schöner Mittellage, setzt aber die Töne in der (zudem oft nur mühsam erreichten und gestemmten) Höhe auch bei etlichen wirkungsvollen Zieltönen immer wieder zu tief an. Im wundervoll schlichten, einstimmigen "Agnus dei"-Satz wäre außerdem auch für die Sopranistin weniger mehr gewesen. Das Requiem mag Verdis schönste Oper sein, aber zu viel Theater tut auch ihr nicht gut.