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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Große Welt, verborgen in nur wenigen Tönen


Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

In Bad Cannstatt ist der Komponist Manfred Trojahn zu Gast in der Reihe 'Musik am 13'.

In den Wort- und Tonfetzen steckt eine ganze Welt.' Deshalb spiele das Fragment in der Moderne so eine große Rolle, meinte der Komponist Manfred Trojahn, den der Cannstatter Kirchenmusiker Jörg-Hannes Hahn am Freitagabend in seine ambitionierte Reihe 'Musik am 13.' eingeladen hatte. Die 'Trakl-Fragmente' sind ein Paradebeispiel für Trojahns konzentrierte Kompositionsweise. Oft nur sekundenkurz sind die elf Stücke, in denen der Sängerin ein riesiger Stimmumfang abverlangt wird. Hauchen, Sprechen, stählernes Singen, gleißende Töne und gewaltige Sprünge meistert die Mezzosopranistin Renée Morloc, während der Pianist Wolfang Wiechert überwiegend in den Randlagen Akkorde tupft. Ähnliche Prinzipien begegneten auch in der Uraufführung von 'Ungewisses Licht' für achtstimmigen Chor. Aus dem Kontrast von stehenden Klängen und getupften Akkorden, von geräuschhaften Tönen und ätherisch schwebenden Sopranen ziehen diese vier Sätze ebenso ihren Reiz wie aus den fahlen Dissonanzen. Schade, dass die Klangbalance und die rhythmische Schärfe von Jörg-Hannes Hahns Cantus Stuttgart nicht immer auf dem Punkt waren.

Für das komische Element in der Cannstatter Stadtkirche sorgte Ewald Liska, der die Moderation übernahm. Nicht nur, dass Liska ständig nach Stücken fragte, die an diesem Abend überhaupt nicht zu hören waren, versuchte er mit endlosen Wortkaskaden nach den tieferen Begründungen von Trojahns Komponieren zu forschen. Der konterte humorvoll und aphoristisch, es handle sich um 'Auftragswerke', genau wie es keinen höheren Grund für geistliche Musik gebe: 'Man kann Dingen nahestehen, ohne den Organisationsformen anzuhängen.' Sonderlich spirituell wirkt 'Salve Regina' für dreistimmigen Frauenchor aus dem Jahr 2004 trotz des liturgischen Textes und der choralhaften Anmutung mit den schmerzhaften Dissonanzen nicht. Das reizvollste Stück folgte am Ende: '. . . stiller Gefährte der Nacht' schillert vielfarbig und transzendent in der aparten Besetzung mit Flöte, Celesta, Cello und Percussion, über denen die Sopranistin Maria Palaska ätherisch schwebt. Manchmal sagen Töne eben mehr als jeder Gesprächsversuch.