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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Kammermusikalische Überraschungen


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Dietholf Zerweck

Max Reger im Jubiläumskonzert von „Musik am 13.“ in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Stuttgart -Seit nunmehr 20 Jahren konzipiert und veranstaltet Jörg-Hannes Hahn die Bad Cannstatter Reihe „Musik am 13.“ Genau an diesem Datum finden die Konzerte in der Regel jeden Monat während der Saison in der gotischen Stadtkirche oder in der Lutherkirche statt, und außer mit den von ihm geleiteten Ensembles des Bachchors und Cantus Stuttgart bietet der Kirchenmusikdirektor und Kirchenkreiskantor auch interessante und abwechslungsreiche Programme zwischen Tradition und Gegenwart. „Die Besucher anregen, genauer hinzuhören und sich manchmal richtig anzustrengen“, ist Hahns Bestreben, damit sie „ein Gefühl, einen Gedanken oder eine Stimmung von bleibender Wirkung mit nach Hause nehmen.“

Auch das Jubiläumskonzert der Reihe war - obwohl mit Max Reger einem der bedeutenden Komponisten auf der Schwelle zur klassischen Moderne gewidmet, dessen 100. Todestag 2016 gefeiert wird - abseits des Mainstreams. Nicht Orgelwerke, sondern Kammermusik stand auf dem Programm, und das in ungewöhnlichen Besetzungen. Die aus dem Spätwerk stammenden „Canons und Fugen im alten Stil“ hat Reger bei einem Kuraufenthalt 1914 in Meran verfasst, in denen wie bei Johann Sebastian Bach der lineare Satz und die kontrapunktische Faktur zur musikalischen Gestaltung verwendet werden. Ursprünglich für zwei Violinen geschrieben, brachten die Bratscher Janis Lielbardis und Christian Nas die Duos stilsicher zu Gehör. Bei der folgenden Suite für Viola solo teilten sich die beiden Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart die von Kenneth Martinson für Viola und Klavier bearbeiteten vier Sätze: gleichermaßen expressiv in den langsamen wie virtuos in den Vivace-Stücken.

 

Aus der Sphäre häuslichen Musizierens stammen Max Regers eigene Bearbeitung des Adagio aus seiner im Jahr 1897 komponierten Orgelsuite e-Moll für Klavier und Harmonium und die 1904 in München entstandene Romanze a-Moll. Hier brachte das von Jörg-Hannes Hahn gespielte Zungeninstrument eine auratische Klangfarbe in die schwingende Akustik der Stadtkirche, die sich wie ein seidiger Glanz um den von Lars Jönsson gespielten Klavierpart legte.

Zentrales Zitat in dieser Komposition war die vom Harmonium in der Art eines Cantus Firmus intonierte Choralmelodie „Wenn ich einmal soll scheiden“, die sich in den gegenüber dem Klavier leicht verstimmten Klängen des Harmoniums verlor. In der Bearbeitung von Jörg-Hannes Hahn für zwei Violen und Klavier waren auch die drei Choräle aus Regers „Zwölf geistlichen Liedern“ op. 137 für Chor von ätherischem Reiz.

Zwischen den einzelnen Musikwerken las der Theologe Eckart Schultz-Berg Auszüge aus Sergej Prokofjews Erzählung „Der wandernde Turm“. Schon als Jugendlicher hat Prokofjew in St. Petersburg Werke von Max Reger im Konzert gehört und bewunderte die Variationskunst des deutschen Komponisten. Diese kam auch in dem leidenschaftlichen „Allegro appassionato“ aus dem Klaviertrio h-Moll des 18jährigen großartig zur Geltung, in dem die Bezüge zu Regers Vorbild Johannes Brahms unüberhörbar waren.