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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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KMD Prof. Jörg-Hannes Hahn
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Karfreitag mit hundert Prozent Bach


Stuttgarter Nachrichten | Verena Großkreutz

Jörg-Hannes Hahn hat in Cannstatt die „Markuspassion“ aufgeführt

„Kreuzige ihn, Kreuzige ihn!“, schallt in dieser neuen Version – nicht weniger spektakulär als in Bachs populären Passionen – durch die proppenvolle Cannstatter Lutherkirche. Zumal sich der Bachchor Stuttgart in der Leitung Jörg-Hannes Hahns am Karfreitag mächtig ins Zeug gelegt hat, um den dramatischen Gipfelpunkten der Bach’schen „Markuspassion“ Schärfe zu verleihen. Eigentlich ist sie ja nur im Libretto von Picander überliefert. Aber Bearbeitungen, die das Werk für die Nachwelt retten wollen, gibt es etliche.

Die neueste von Andreas Fischer nahm sich jetzt Hahn in der Reihe „Musik am 13.“ vor. Fischer wirbt für seine Version, sie sei „100 Prozent Bach“. Freilich ist sie auch 100 Prozent Parodie. So nennt man das Verfahren, neue Texte mit bereits komponierter Musik zu unterlegen. Bach war selbst ein Meister darin. Man denke nur an das „Weihnachtsoratorium“ oder die h-Moll-Messe.

Andreas Fischer fand Musik, die aufs „Markus“-Libretto passt, in Bach-Kantaten und -Choralsammlungen. Das Libretto überliefert ja nicht nur den Text, sondern auch die mit ihm verbundenen musikalischen Formen: ob Chöre, Choräle, Arien oder Rezitative. Und so erklang in der Lutherkirche Wohlvertrautes, ohne dass einen das Gefühl verlassen hätte, dass alles sich doch nur um ein Scheinwerk handelt. So klingt der Passionsbericht, den Michael Connaire als Evangelist klar artikuliert und mit der nötigen mitreißenden Dramatik sang, an manchen Stellen etwas kantig. Und vielleicht hätte Bach die eine oder andere Stelle musikalisch schöner ausgemalt. Vielleicht fühlte sich Wolf Matthias Friedrich deshalb dazu veranlasst, die Jesusworte emotional zu überschäumend zu singen.

Die neun Arien lieferten dagegen gewohnte Bach-Qualität. Jörg-Hannes Hahn sorgte mit einem dramaturgisch schlüssigen, die Nummern des zweistündigen Werks zügig aneinanderbindenden Dirigat dafür, dass es spannend blieb, auch wenn das begleitende Main-Barockorchester Frankfurt in Sachen Intonation und lebendiger Phrasierung Wünsche offen ließ. Der Bachchor dagegen war gut in Form, besonders in den 16 schlichten Chorälen, die in dieser Dichte die „Markuspassion“ ansonsten schnell eintönig wirken lassen könnten.