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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Kosmische Weitung


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Verena Großkreutz

Martin Smolka im 12. Komponistengespräch der Reihe „Musik am 13.“ in der Bad Cannstatter Stadtkirche

Stuttgart – Die „Komponistengespräche“ von „Musik am 13.“ in der Cannstatter Stadtkirche sind wirklich ein kleines Juwel in der Stuttgarter Kulturlandschaft. Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn lädt hier regelmäßig große produktive Schöpfer geistlicher Musik ein: zum Talk und für eine kleine Werkschau. Jetzt kam der 1959 geborene tschechische Komponist Martin Smolka, der in Stuttgart vor allem durch Uraufführungen großartiger, mächtiger Chorwerke bekannt geworden ist.

Auf die Frage von SWR-Neue-Musik-Redakteur Björn Gottstein, durch dessen Moderation die Reihe noch einmal gewonnen hat, was es denn mit der Mikrotonalität in der zuvor gehörten „Music for retuned Instruments“ (1988) für Kammerensemble auf sich habe, gab der tschechische Meister eine denkbar einfache Antwort: Die Flöte klinge auf diese Weise trauriger. Da nickten viele im Publikum. Ja, stimmt. Intervalle, die kleiner sind als ein „normaler“ Halbton, geraten bei Smolka zum sehr starken Ausdrucksmittel. Die avantgardistische Klangsprache, die Smolka in Zeiten des eisernen Vorhangs für sich entdeckte und damit zu den verbotenen, vermeintlich dekadenten Früchten im Garten Westen griff, ist von hoher Emotionalität, die die Stücke rückwirkend sehr fasslich macht.

An diesem Abend standen zudem zwei Solowerke auf dem Programm, deren Wirkung auf dichten Wiederholungsstrukturen beruht. Unter einem großen Spannungsbogen entwickeln sie wahrhaft meditative Kräfte, wobei in „Haiku“ für Cembalo (2008) JörgHalubeks Spiel gelegentlich mit dem zugespielten Abendgesang von Vögeln verschmolz. Smolka ist immer auch musikalischer Metaphysiker, der das Publikum – ganz im romantischen Sinne – zum „einsamen Mönch“ macht, der dem Klang hinter dem Klang nachlauscht. In „lamento metodico“ aus dem Jahr 2006 waren die Naturgeräusche, mit denen der phänomenale Akkordeonist Stefan Hussong konfrontiert wurde, freilich sehr realistischen Ursprungs: Donnergrollen eines über Stuttgart ziehendenGewitters.

Zum krönenden Abschluss des Konzerts gab es „Agnus Dei“ für vierstimmigen Chor, das Martin Smolka 2012 als „kleines Requiem“ für seinen Vater geschrieben hat. Jörg- Hannes Hahn hatte diese komplexe Musik mit seinem Vokalensemble Cantus Stuttgart wirklich exzellent einstudiert. Smolka ist ein Meister der Stimmbehandlung und chorischen Klanggestaltung. Auch in diesem Werk führt er die Stimmen immer wieder zu immenser räumlicher Weitung zusammen, lässt dadurch auf geheimnisvolle Weise eine mystische Aura entstehen. Wunderbar, wie der Chor das umsetzte: die pulsierenden Echos, die immer wieder wellenartige Bewegungen anstoßen, die Klangmassierung, die sich durch verschachtelt einsetzende Stimmen aufbaut, das langsame Verdämmern der Musik. Chapeau!