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Metamorphosen


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Sebastian Quint

Kurt Levorsen beim sommerlichen Orgelzyklus in Bad Cannstatt

Bad Cannstatt - Im Cannstatter sommerlichen Orgelzyklus heißt es für die Interpreten, Jörg Hannes Hahns programmatische Vorgaben zu erfüllen: Jeder der sechs an die Walcker-Orgel der Stadtkirche geladenen Künstler sollten ein Werk, das auf die Tonfolge B-A-C-H baut, darbieten, alle sollten sie eine Bach‘sche Komposition im Programm haben, und auch Zeitgenössisches sollte nicht fehlen.

Der Kopenhagener Hochschullehrer Kurt Levorsen hatte die „Metamorphoses“ seines dänischen, 1999 verstorbenen Landsmanns Peter Moller mitgebracht, und mit Niels Wilhelm Gade („Drei Stücke“ op. 22) bereicherte ein weiterer gebürtiger Däne das Programm. Dem vorangesetzt hatte der Künstler Bachs großes C-Dur Präludium BWV 547 und einige Choräle aus dem „Orgelbüchlein“; das den Orgelzyklus prägende B-A-C-H Motiv hat er bei Johann Ludwig Krebs und dessen Fuge B-Dur (KrebsWV 434) aufgespürt. Bachs C-Dur Präludium zu Beginn verlieh der Künstler ein artikulatorisch sinnfälliges Profil. Klanglich hatte Levorsen ein Pleno gewählt, das den Stimmenverlauf aufs Schönste transparent machte. Mit klarer klanglicher Zeichnung überzeugte ebenso seine Herangehensweise an die Fuge.

Krebs war unter allen Bachschülern derjenige, der in seinen Orgelwerken dem Lehrer stilistisch besonders nahe kommen wollte. In seiner Fuge B-Dur über die Buchstabenfolge von Bachs Namen hat er ihm ein frühes Denkmal setzen wollen - und doch hat er sich hier in der kompositorischen Struktur und in der Art der Durchführung vom meisterlichen Maßstab, dem Fortschrittsgedanken unterworfen, bereits ein wenig wegbewegt. Nicht zuletzt auch dank seiner dynamisch abgestuften Registrierung vermochte Levorsen den Verlauf der unterschiedlichen kontrapunktischen Durchführungstechniken deutlich herauszuarbeiten.
Apartes Klangbild.

Und noch einmal widmete sich der Interpret Bach: Mit sensiblem Gespür für das klangliche Gewand und die Durchsichtigkeit der Faktur bekam man fünf Stücke aus dem „Orgelbüchlein“ zu hören, wobei das aparte Klangbild und die strenge kanonische Struktur von „Liebster Jesu, wir sind hier“ besonders ansprechend wirkten. Dass der seinerzeit nach Leipzig geschickte königlich-dänische Stipendiat Niels Wilhelm Gade, dort nachhaltig gefördert von Schumann und Mendelssohn, seit seiner Rückkehr nach Dänemark im Jahr 1848 vornehmlich auch als Organist wirkte, ist bislang weniger bekannt gewesen. Levorsen hatte der lohnenden Kenntnisnahme des Komponisten in seiner Programmfolge Vorschub geleistet: Gades „Drei Stücke“ op. 22, vielschichtig ausgearbeitet in ihrer musikalischen Architektur, erhielten eine differenzierte und doch weiträumige Prägung mit lebhaft ausholendem Beginn, still und zart gehaltenem Mittelstück und in drängender Bewegung präsentiertem Finale.

Der zeitgenössischen Musik zollte Levorsen Respekt mit Peter Mollers „Metamorphoses“, wozu den Komponisten Abschnitte aus dem ersten Korintherbrief des Apostels Paulus inspiriert hatten. Das dreiteilige Werk vermochte in der engagierten, klanglich farbigen und spannungsreich gehaltenen Wiedergabe von Kurt Levorsen nachhaltiges Interesse zu wecken.