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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Mit feurigem Jubel


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Dietholf Zerweck

Der Bachchor Stuttgart in der Lutherkirche Bad Cannstatt

Trauer und Erlösung, Verzweiflung und Hoffnung, Dunkel und Licht waren inhaltliche und musikalische Gegensätze beim Sonderkonzert der Reihe „Musik am 13.“ in der Cannstatter Lutherkirche zum Totensonntag. Zu Beginn leitete Jörg-Hannes Hahn das Christophorus-Symphonie-Orchester in einer Transkription von Johann Sebastian Bachs Fantasie und Fuge c-Moll (BWV 537) von Edward Elgar. Ungewöhnlich ist Elgars Bearbeitung durch den Einsatz von Schlagwerk, vor allem in der Fuge erzielt er durch Glockenspiel, Tambourin, Triangel, Trommel und Becken farbige Effekte. Die üppige Instrumentierung eines spätromantischen Orchesters brachte die sinnbildhaften Figuren der nach oben gerichteten Sextintervalle und der fallenden Seufzer-Sekundenschritte in der Fantasie besonders ausdrucksvoll zur Geltung. In der Fuge überwogen dann jedoch, begünstigt durch die hallige Akustik der Bad Cannstatter Lutherkirche, Bombast und Getöse.

Ruf aus der Tiefe

Eines der frühesten Werke des rheinischen Komponisten Heinrich Kaminski ist dessen Motette „Der 130. Psalm“ für gemischten Chor a cappella und Sopran-Solo aus dem Jahre 1912. „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“: Den Anfang seiner Vertonung des biblischen Bußpsalms kleidet Kaminski in einen traditionell homophonen Chorsatz, im Mittelteil erhebt sich die Sopranstimme über den romantisch gefärbten Klangteppich, der am Schluss expressiv aufbricht.

Das kurze, vom Bachchor Stuttgart mit präziser Artikulation gesungene Stück leitete über zum „Lobgesang“: Felix Mendelssohns 2. Sinfonie, eigentlich eher eine sinfonische Kantate mit einer nach dem Modell von Beethovens 9. Sinfonie gestalteten Hinführung zum feierlichen Hauptteil mit einem Chor und Solistenterzett. Das fanfarenartige Kernthema, zu Beginn von den Bläsern intoniert und am Schluss vom Chor triumphal wiederholt, wird im ersten sinfonischen Satz durch alle Orchesterstimmen geführt, bevor es im Eröffnungschor in strahlender Vierstimmigkeit entfaltet wird: „Alles, was Odem hat, lobe den Herrn!“. Mendelssohns hymnischer Ton, verbunden mit seiner religiösen Thematik, durchzieht das ganze Werk und reiht in den neun Solo- und Chorstücken Höhepunkt an Höhepunkt.

Mächtige Klangschübe

Jörg-Hannes Hahn forderte seinen Chor und das Orchester dabei zu mächtigen Klangschüben. Kirsten Blaise sang ihr Magnificat-Solo „Lobe den Herrn, meine Seele“ mit feurigem Jubel in der Stimme und gestaltete ihre Duette mit Mechthild Kerz (Mezzosopran) und Martin Platz (Tenor) zu kantablen Inseln inmitten des chorischen Überschwangs. Dramatisch erregt leitete Platz mit klar geführtem lyrischem Tenor die Ombra-Szene ein, die Blaise mit ihrer über eine ganze Oktave aufsteigenden Lichtspur – „Die Nacht ist vergangen“ – durchbrach. Und im mächtigen Schlusschor, von den aus Mozarts „Requiem“ bekannten Streicher-Synkopen eingeleitet, brachte Hahn noch einmal die ganze Strahlkraft der 60 Choristen und 90 Orchestermitglieder zu stärkster Wirkung: eine gerade im Kirchenraum beeindruckende Aufführung.

Das Konzert mit dem Bachchor und dem Christophorus-Symphonieorchester wird am 6. Dezember um 20 Uhr im Beethovensaal der Liederhalle mit Patrick Strub als Dirigenten wiederholt.