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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Munter plätscherndes Brünnlein


Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

Jörg-Hannes Hahn dirigiert die „Musik am 13.“ in Bad Cannstatt.

Wer wagt, gewinnt. Das ist das Fazit des Konzerts in der Reihe Musik am 13. am Sonntagabend in der gutgefüllten Stadtkirche Bad Cannstatt. Der dortige Kirchenmusiker Jörg- Hannes Hahn fordert seinen Kammerchor Cantus Stuttgart bekanntlich gern und hat seinen handverlesenen Sängern gleich zum Saisonauftakt eine anspruchsvolle Aufgabe gegeben. Johann Hermann Scheins Mo- tetten-Sammlung „Israelsbrünnlein“ aus dem Jahr 1623 ist ein ambitionierter Wendepunkt der Musikgeschichte. Denn Schein führt darin den komplexen Madrigalstil nach italienischem Vorbild in Deutschland ein.

So teilt er den fünfstimmigen Chor in „Wende dich, Herr“ in eine scheinbare Doppelchörigkeit der hohen und tiefen Stimmen, arbeitet mit scharfen dynamischen Kontrasten und verlangt vielfach große vokale Beweglichkeit. Am deutlichsten ist das in der Motette „Ihr Heiligen, lobsinget dem Herren“ zu hören, deren freudiger Charakter sich in ausschweifenden Koloraturen manifestiert. Hahns Vokalensemble erweist sich dabei als reaktionsschnelle und flexible Truppe, die auch den exaltierten Charakter und die extremen Sopranhöhen von „Die mit Tränen säen“ brillant realisiert.

 

Gleichwohl stoßen die Laiensänger hier auch das eine oder andere Mal an Grenzen. Aufgrund der technischen Anforderungen geht in der leicht halligen Akustik gelegentlich die Textverständlichkeit verloren, was gerade für diese Musik mit ihrer starken Wort-Ton-Beziehung ein Problem ist. Zudem tut sich Cantus Stuttgart mit der spannungsreichen Harmonik Scheins manchmal schwer, die von Vorhalten und chromatischen Wendungen geprägt ist, trotz Unterstützung durch eine Continuo-Gruppe (Heike Hümner, Gambe, Andrea Baur, Laute, Peter Kranefoed, Orgel). Andererseits gelingt Jörg-Hannes Hahn und seinen Musikern an anderer Stelle eine präzise und klanglich ansprechende Darstellung dieser bildhaften Musik, etwa wenn in „Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn“ das Stocken und die Pausen malerisch das brechende Herz symbolisieren.

Trotz kleiner Einschränkungen hat Hahn mit dieser Aufführung bewiesen, dass man auch mit engagierten Laien derart anspruchsvolle Musik realisieren kann. Ein Saisonauftakt nach Maß.