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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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„Musik am 13.“ mit Heinrich Schütz


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Verena Grosskreutz

Stuttgart – Herrliche Musik ist das, die freilich schon zu Lebzeiten ihres Schöpfers als hoffnungslos veraltet galt und nach dessen Tod völlig in Vergessenheit geriet: Heinrich Schütz’ Opus ultimum, die Vertonung des 119. Psalms, die der greise, weit über 80-jährige Komponist selbst als seinen „Schwanengesang“ bezeichnet hat. Dieses religiöse wie künstlerische Testament schrieb der Dresdner Hofkapellmeister um 1670. Darin hat er altersweise seine frühere Vorliebe für exzessive Stimmführung und ausdeutende musikalische Ausleuchtung zurückgenommen und den längsten aller Psalmen, der als eine Art Zusammenfassung der Bibel, als „biblia in nuce“ gilt, in prägnanter, schlichter Deklamation und klangprächtiger venezianischer Doppelchörigkeit aufgehen lassen. Erklungen ist das Werk zu Lebzeiten des barocken Meisters wohl nicht. Man geht davon aus, dass die erste öffentliche Darbietung nach seiner Wiederentdeckung – im Jahr 1981 in Dresden – gleichzeitig auch die Uraufführung war. Jetzt konnte man die ersten sieben der insgesamt elf Motetten dieses mehr als abendfüllenden Zyklus in der ambitionierten Konzertreihe „Musik am 13.“ in der Spätgotischen Stadtkirche Bad Cannstatt hören. Man kann die fabelhafte Akustik der Stadtkirche gar nicht genug loben: Wunderbar voll, warm und satt erblühten dort die Stimmen des Vokalensembles Cantus Stuttgart.

Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn hatte das semiprofessionelle, an diesem Abend 32-köpfige Ensemble hervorragend vorbereitet. Wie genau und geschmeidig gelangen den beiden Chorblöcken die mehrstimmigen Imitationen, wie enthusiastisch und stimmlich ausgewogen konzertierten sie miteinander! Fein arbeitete Hahn die klangfarblichen Effekte der Harmoniewechsel heraus, quirlig bewegt und schwingend wurden die oft tänzerischen, rhythmisch-metrischen Finessen der Motetten offenbar. Für die Generalbass-Erdung sorgten Johannes Fiedler am Orgelpositiv, Gambenspielerin Heike Hümmer und Theorbist Johannes Vogt, die in instrumentalen Intermezzi dem Chor kurze Erholungspausen verschafften: unter anderem mit einer Gambensonate von Philipp Friedrich Böddecker, in der Heike Hümmer in virtuos sich steigernden Variationen über ein Ohrwurmthema glänzen konnte.

Teil zwei des „Schwanengesangs“ wird es bei „Musik am 13.“ dann im kommenden Februar geben. Vielleicht könnte man dafür noch ein bisschen an der Wortartikulation arbeiten. Heinrich Schütz’ Bekenntnismusik, der zufolge ein glückliches Leben nur aus der Ehrfurcht vor Gott erwachsen kann, setzt auf die Sprachgewalt des 119. Psalms. Da wäre es schön, wenn man möglichst
viel vom Text versteht.