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Nasale Hörner, helle Fanfaren


Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

Arno Hartmann ist zu Gast beim Orgelsommer in Bad Cannstatt gewesen.

Das Beste hatte sich Arno Hartmann für den Schluss aufgehoben. Der Leiter der Bochumer Stadtkantorei gastierte am Sonntag in Bad Cannstatt und beendete sein Orgelkonzert mit Félix Alexandre Guilmants erster Orgelsonate. Das großformatige Stück lebt von dem Gegensatz zwischen kraftstrotzender Motorik in den schnellen Ecksätzen und pastoraler Stimmung im langsamen zweiten. Vor allem arbeitet der Komponist mit den sinfonischen Klangmöglichkeiten der Orgel, die Hartmann vielschichtig und kleinteilig auslotet. Majestätische Fanfaren in der Einleitung, nasale Krummhörner im Mittelsatz und brausende Tutti im virtuosen Finale prägen seinen Zugang.

Schade nur, dass der Bochumer Kirchenmusiker weder hier noch im Rest des Programms unfallfrei durch die Partituren kam. Selbst in technisch weniger anspruchsvollen Stücken wie der zweiten Toccata von Carlos Seixas oder dem Prélude funèbre von Joseph-Guy Ropartz waren immer wieder Fehlgriffe deutlich hörbar. Diese beiden Kompositionen und die Psalm-Vertonung 'Jehovas ist die Erde' op. 174 von Louis Spohr plätscherten zudem eher belanglos dahin. Vor allem Spohrs Werk, im Original für Solisten, Chor und Orgel, hier in einer Bearbeitung Guilmants zu hören, fehlte es an klanglicher und gestalterischen Entwicklung.

Interessanter war der von Hartmann konzipierte Auftakt des einstündigen Programms: Bachs Toccata und Fuge F-Dur BWV 540 unterbrach er durch eine Transkription des Adagio-Satzes aus der ersten Solo-Sonate für Violine. Diese Quasi-Erweiterung zu einer dreisätzigen Sonate ermöglichte Hartmann einen starken Kontrast, von dem die beiden figurierten und motorisch geprägten Sätze durchaus profitierten. Vor allem bot dieses Kunstgriff die Möglichkeit, die Toccata und die Fuge in ähnlichen, Principal-lastigen Farben anzulegen, während der langsame Mittelsatz durch dezente Töne geprägt war.