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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Sie hat Brüste, die sind weiß


Stuttgarter Nachrichten | Verena Großkreutz

Das Stuttgarter Ensemble Lala Höhö war zu Gast bei 'Musik am 13.'

Renaissance-Musik lebendig zu vermitteln, das hat sich das Ensemble Lala Höhö auf die Fahne geschrieben. Die Stuttgarter Musiktruppe um den brasilianischen Gambisten Giomar Garcia Sthel hat ihren witzigen Namen einem Werk des Renaissancemeisters Heinrich Isaac abgeguckt, ein rätselhafter Titel, hinter dem Experten arabisch inspirierte Lautmalerei vermuten. Lala Höhö war jetzt in achtköpfiger Besetzung zu Gast in der Cannstatter Konzertreihe 'Musik am 13.'. Die Stadtkirche ist zum Glück voll, es wird ein herrliches Konzert. Der Abend ist dem seinerzeit berühmten Renaissance-Komponisten Caspar Othmayr gewidmet, geboren vor 500 Jahren im oberpfälzischen Amberg. Der Mann ist heute fast vergessen.

Zu Unrecht, wie Lala Höhö an Exempeln aus seinem nur in kleinem Umfang überlieferten ?uvre von Motetten, geistlichen und weltlichen Liedern zeigt. Der ­Renaissance-Mensch ging ja beim Texten weniger prüde vor als nachfolgende Generationen. Wunderbar etwa die freizügige Besingung körperlicher Vorzüge in 'Ich weiß mir ein Maidlein hübsch und fein': 'Sie hat zwei Brüste, die sind weiß. Sie legt's herfür mit allem Fleiß.'

 

Sopranistin Claudia Habermann lässt die schönen Melodien leuchten, während die vier Instrumentalisten frisch und ­lebendig begleiten. Lala Höhö spielt historisch informiert auf Nachbauten von Gambe, Dulcian und Laute. Im Gesangsquartett setzt man auf vibratoarme, instrumentale Stimmfarben.

Das Programm ist vielfältig, immer wieder gibt es Überraschungen, etwa wenn ­Tenor Andrés Montilla-Acurero in der Motette 'Mein himmlischer Vater' den vierstimmigen Satz vom Seitenschiff aus vervollständigt. Oder wenn er das brav polyfon gesungene 'Vidi alios intrantes' seiner Gesangskollegen Habermann, Jacopo Facchini (Altus) und Simón Millán (Bass) mit einem auf deutsch gegrölten Trinklied konterkariert, als sei er total besoffen.

Klar, dass das Publikum am Ende tobte.