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Tief beeindruckendes Tonerlebnis


Schwäbischen Post / Gmünder Tagespost | Gise Kayser-Gantner

Festival europäische Kirchenmusik: Drei Werke des Komponisten Wolfgang Rihm, EKM-Preisträger 2017, sind im Programm vertreten

Foto: Hartmut Hientzsch

Es war ein monumentales Konzert, das den Zuhörern viel abverlangte. Dicht an dicht saßen die Gäste, die zum Preisträgerkonzert „Wolfgang Rihm“ im Rahmen des Festival Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd ins Münster gekommen waren. Interpretiert wurden die Werke vom Südwestdeutschen Kammerchor und dem Bachchor Stuttgart, dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, den Solisten Susanna Martin, Sopran, Annette Markert, Alt, und Lukas Ewald von den St. Michael-Chorknaben. An der Orgel Andreas Gräsle, bis 2003 Kantor an der Augustinuskirche. Die Gesamtleitung lag bei Kirchenmusikdirektor Jörg-Hannes Hahn, die Einstudierung der Werke für den Südwestdeutschen Kammerchor bei Peter Lorenz. Der 19. Preisträger der Europäischen Kirchenmusik konnte Urkunde und Preisgeld in Höhe von 5000 Euro selbst nicht entgegennehmen. „Wolfgang Rihm ist schwer erkrankt“, sagte Oberbürgermeister Richard Arnold in seiner Ansprache. Wolfgang Rihm, ein zeitgenössischer Komponist, war mit drei Werken im Programm vertreten: „Memoria“, „Toccata, Fuge und Postludium“ und „Maximum est unum“. Dazu Wolfgang Amadeus Mozarts „Kyrie d-Moll“ und die Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ von Johann Sebastian Bach.

„Memoria“, ein Werk für Alt, Knabenstimme, Chor und Orgel mit zwei Gedichten von Nelly Sachs aus dem Band „Fahrt ins Staublose“, befasst sich mit dem Holocaust. Textzeilen, gesungen von Altistin Annette Markert und dem Chor, wurden von dem St. Michael-Chorknaben Lukas Ewald und der Orgel akzentuiert. Unvermittelt und erschreckend laut, dem Thema gemäß, die Paukenschläge von verschiedenen Plätzen im Kirchenraum. Die Solistin bestach mit ihrer vollen farbenreichen Altstimme und meisterte die komplizierten Tonfolgen meisterlich. Die reine hohe Knabenstimme von Lukas Ewald pointierte mit Vokalen. Machtvoll das Orgelspiel von Andreas Gräsle. Wolfgang Rihms Anliegen, die Gegenwart musikalisch zu spiegeln, wurde in diesem ersten Stück deutlich dokumentiert. Das „Kyrie d-Moll“ von Mozart wirkte mit den drei Bitten eindringlich, aber nicht so bedrückend schwer wie das vorausgegangene Rihm-Werk. Alle Register zog Organist Gräsle bei der „Toccata, Fuge und Postludium für Orgel“ und begeisterte die Zuhörer. Eine ungewöhnliche Besetzung überraschte in Johann Sebastian Bachs Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“ mit konzertierender Trompete, Sopranistin Susanna Martin und einem Streicherensemble. „Maximum est unum“ von Wolfgang Rihm setzte den Schlusspunkt des Konzerts. Es wurden Texte der mittelalterlichen Mystiker Meister Eckhart und Nicolaus Cusanus von Altistin und Sopranistin mit den beiden gemischten Chören, Orchester und Orgel interpretiert. „Maximum est unum“ widmet sich der Erfahrung von Zeit und Wahrnehmung des Göttlichen. Es ist ein archaischer, tief bewegender Gesang“, heißt es im Programmheft. Mit ihrem dunklen, dräuenden Schall erinnerten die Basstuben eindringlich an den Jüngsten Tag. In seiner Laudatio zeichnete Hans-Peter Jahn vom SWR ein facettenreiches Bild des Komponisten Wolfgang Rihm. Man könne sich leicht darauf verständigen, dass sich Rihms Töne im unermesslichen Raum von Höhe und Tiefe bewegen. Sie lassen Empfindungen zu, von Jubel, Sturm und Überwältigung, aber auch Trübnis, Schrecken und Dunkelheit. „Wolfgang Rihms Musik spiegelt die Welt, die Realität des 20. und 21. Jahrhunderts, sie reflektiert und kommentiert sie.“ Das Besondere an Rihms Werken sei aber, dass er als Komponist wie ein Regisseur die Töne so auftreten lässt, „dass sie den Hörer ganz bei sich selbst abholen“, ganz gleich, ob es sich um einen Kenner oder unmusikalischen Menschen handelt.