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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Vokale Herausforderung


Esslinger / Cannstatter Zeitung | Sebastian Quint

Cantus Stuttgart mit Spohr-Messe in der Cannstatter Stadtkirche

Felix Mendelssohn Bartholdy hielt ihn für den „besten Fugenkomponisten der Zeit“: Louis Spohr. Und doch bildet seine Kirchenmusik, die Gattung, in der die kontrapunktischen Künste im 19. Jahrhundert für gewöhnlich eingebracht wurden, nur einen sehr kleinen Teil des kompositorischen Werks des weit vor Mendelssohn geborenen und ihn um 12 Jahre überlebenden Geigenvirtuosen, Komponisten und Kasseler Hofkapellmeisters.

Im Rahmen der Konzertreihe „Musik am 13.“ war nun in der Cannstatter Stadtkirche Louis Spohrs Messe op. 54 zu hören. Sie ist mit ihren zwei fünfstimmigen Chören und einem fünfköpfigen Solistenensemble gewissermaßen dreichörig angelegt und schon von daher eine vokale Herausforderung.

Mendelssohn wird von dem im Jahr 1821 entstandenen Werk gewiss Kenntnis gehabt haben, und Spohrs Messe dürfte zur Anerkennung des Komponisten mit beigetragen haben. Dass die Auseinandersetzung mit Spohrs Messe im Grunde genommen eines Profi-Chors bedarf, konnte auch in der Aufführung mit Jörg Hannes Hahns Auswahlchor Cantus Stuttgart nicht verborgen bleiben. Zwar überzeugte der Chor mit einem subtilen Nachspüren des Textinhalts und mit einem weiten Spektrum der Zeichnung des Ausdrucks und der Klanggebung von wortschärfender Prägnanz bis zu weicher tonlicher Rundheit, aber klanglich mangelte es mitunter an der nötigen hochrangigen Homogenität und einer ausgewogenen Balance. Gegenüber dem geschmeidigen ersten Chor und den insbesondere in den Frauenstimmen geradlinig modellierenden Solisten fiel der zweite Chor mit seinen zu beträchtlicher Überzeichnung neigenden Sopranen ein wenig ab. Füllig im Gesamtklang, stabil in der Stimmführung und flexibel im Ausdruck hatte man den Chor anfangs von der Orgelempore herab in Mendelssohns 1832 komponiertem „Te Deum“ für Chor, Soli und Orgel hören können.

Zu diesen beiden Chorwerken hat Daniel Waitz, der soeben erst sein Heidelberger Kirchenmusikstudium beendet hat, noch zwei Orgelstücke beigesteuert. Im subtil wiegenden Dreierrhythmus des „Intermezzo“ aus Rheinbergers Orgelsonate Nr. 8 e-Moll op. 132 gefiel sein die Räumlichkeit und die klanglichen Farben der Registerkombinationen weidlich ausreizendes Spiel mit einem für den Hörer im Schiff nachvollziehbaren Pendeln von „rechter“ und „linker“ klanglicher Quelle und mit Nähe und Ferne. In „Benedictus“ und „Te Deum“ aus Regers sogenannter Kleiner Orgelmesse aber erschienen der Ambitus des Orgel-Schwellers und die Variabilität der Tempomodifikation ein wenig zu ausgreifend angelegt und zudem auch etwas unorganisch ausgeführt.