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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Vom Ende des Schönen


Stuttgarter Nachrichten | Verena Großkreutz

„Musik am 13.“ mit Elektronischem von Nono und Stockhausen

Eine kaum beschreibbare Musik ist das: blecherne Lärmballungen, die sich in großen Wellen entladen, hohe, gequälte Stimmen, deren Weinen, Schreien und geisterhaftes Heulen sich mit geräuschhaften oder als Orchesterstimmen identifizierbaren Klängen mischen, quietschende, schrille Töne, wie von einem bremsenden Zug: Luigi Nonos elektronisches Stück „Erinnere dich, was sie dir in Auschwitz angetan haben“ von 1966 wird nie konkret, führt aber die Assoziationen stringent ins Grauen der nationalsozialistischen Vernichtungslager.

Das Stück für Magnetband ist ein Klassiker der elektronischen Musik, aber man hört es nie. Es ist daher beeindruckend, dass es am Freitagabend gerade in der Konzertreihe der kleinen, feinen Cannstatter Institution „Musik am 13.“ zu hören war, wo gerne Experimente dieser Art gewagt werden. Zudem war es dem Künstlerischen Leiter Jörg-Hannes Hahn auch gelungen, für das Konzert eine Aufführung von Karlheinz Stockhausens „Gesang der Jünglinge im Feuerofen“ für Vierkanal-Elektronik in die spätgotische Stadtkirche zu holen. Das ist zwar ein geistliches Werk, es ist aber vermutlich noch nie in einer Kirche erklungen. Diese Musik aus dem Mischpult verwandelte mit Hilfe von Tongeneratoren und Filtern die Stimmaufnahme eines Knaben in eine befremdliche Sinfonie aus Textfragmenten, Sopran, gläsernen, blubbernden, knallenden, chorischen Klängen. Ein faszinierender universaler Lobpreis Gottes drang da aus den fünf Lautsprechern.

Das Konzert stand unter dem Motto „Wider das Vergessen“ als musikalisches Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November. Kontrastiert wurde die Musik von Band mit live aufgeführten Motetten und anderen A-cappella-Chorstücken von Anton Bruckner. In der Leitung Jörg-Hannes Hahns brachte das Gesangsensemble Cantus Stuttgart, das in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, die kathedralische Klanglichkeit dieser Musik wunderbar zur Entfaltung – ihre spätromantischen warmen, fließenden Farben. Eine Musik des Trostes und des Sehnens nach Geborgenheit im Glauben ist das. Aber gerade das „Libera me“, das um Rettung vor dem Schrecken und dem Unheil dieser Welt fleht, wurde an diesem Abend eingeholt von der furchtbaren Realität der Terroranschläge in Paris.