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Von Bach bis zu Schmetterlingen


Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

Beim Orgelsommer in Bad Cannstatt ist die Chinesin Fanxiu Shen zu Gast

Bach ist und bleibt das Zentrum der Orgelwelt. Nicht nur, weil der Leipziger Thomaskantor im Laufe seines langen Musikerlebens viele bedeutende Werke für dieses Instrument geschaffen hat. Ebenso hat sich die Nachwelt das Tonmotiv, das sich aus seinem Nachnamen bilden lässt, als Ausgangspunkt für eigene Kompositionen genommen. Diese Verbindung bildete den dramaturgischen Faden des Konzerts von Fanxiu Shen am Sonntag in der Stadtkirche Bad Cannstatt.

Wie immer hat der Hausherr Jörg-Hannes Hahn den Gästen Vorgaben gemacht: Neben Bach und einem Werk über dieses Tonmotiv muss eine Komposition des zwanzigsten Jahrhunderts gespielt werden. Die Chinesin eröffnete mit Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, weniger virtuos als analytisch durchstrukturiert, zurückhaltend im Tempo und der Registrierung, was später auch für Léon Boëllmanns Suite gothique op. 25 galt. Hier setzte Fanxiu Shen kaum auf den romantisch-orchestralen Klang, stattdessen wählte sie einen schlichten, fast strengen Zugang, zügelte im zweiten Satz, dem Menuet gothique, regelrecht das Tempo und hielt sich in der finalen Toccata klanglich lange Zeit zurück. Schade, dass gerade dieses populäre Werk einen eher schwachen Eindruck hinterließ, zumal die chinesische Orgelprofessorin einige technische Probleme offenbarte.

Die waren im Hauptwerk des Abends, Franz Liszts Präludium und Fuge über B-A-C-H, wie weggeblasen. In dichtem Legato entfaltete Shen dieses gewaltige Werk, präparierte das zentrale Motiv und die daraus abgeleiteten thematischen Linien heraus und entwickelte dank klug sich steigernder Klangfärbung eine Sog­wirkung. Den Gegenpart zu diesem harmonisch und formal überreichen Opus bildete das Programmende mit Fuan Lius 'Tea­picking Girls catching Butterflies'. Ein paar Marschrhythmen, ostinate Tonfolgen und eine fröhliche Motorik mit exotisch schillernden Farben bestimmen dieses folkloristische Werk, dessen ohrwurmhafte Melodik großen Jubel auslöste.