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Auf nobler Tonspur

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Rainer Kellmayer

Brahms-Requiem (II): Jörg-Hannes Hahn dirigiert die Aufführung in der Cannstatter Lutherkirche

Stuttgart - Wolfgang Rihm möchte mit seiner 2002 entstandenen Komposition „Das Lesen der Schrift“ das „Deutsche Requiem“ von Brahms beantworten und befragen, neu ausleuchten und in die Gegenwart transformieren. Ein mutiges Unterfangen angesichts eines Meisterwerks, über das der Wiener Kritiker Eduard Hanslick nach der Uraufführung 1868 schrieb: „Seit Bachs h-Moll-Messe und Beethovens Missa solemnis ist nichts geschrieben worden, was auf diesem Gebiete sich neben Brahms‘ ,Deutsches Requiem‘ zu stellen vermag“.

Bei der Aufführung in der Lutherkirche Bad Cannstatt tat Dirigent Jörg-Hannes Hahn gut daran, die vier postmodernen Rihm-Sätze nicht zwischen die Teile des Brahms-Requiems zu setzen, sondern davor - als Einstimmung auf Brahms‘ herrliche Musik. Mit murmelnden Klängen aus der Düsternis tastet Rihm Schritt für Schritt die innere Bewegung eines Trauerprozesses ab. Statische Flächen laden sich auf, explodieren in gewaltigen eruptiven Schlägen, um danach wieder in Aktionen am Rande des Hörbaren zurückzufallen. Nahtlos schlossen sich die sanften Klänge der ersten Requiem-Takte an. Schon beim A-cappella-Einstieg mit „Selig sind, die da Leid tragen“ zeigte sich die vorzügliche Disposition des Bachchors Stuttgart: Geschmeidig war die Klangformung, die Balance stimmte, und auch bei Forte-Aufschwüngen blieb man stets auf nobler Tonspur. „So seid nun geduldig, liebe Brüder“ erklang dynamisch differenziert gestaffelt, und gewaltig schallte „Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit“ in den Kirchenraum.

 

Das erweiterte Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim legte, ungeachtet einiger intonatorischer Unsauberkeiten in den Bläsern, den soliden instrumentalen Grund. In „Der gerechten Seelen“ trug das Orchester dynamisch jedoch zu dick auf, die Singstimmen wurden weitgehend zugedeckt. Doch schon im folgenden Satz „Wie lieblich sind deine Wohnungen“ fanden Chor und Orchester zurück zum des ausbalancierten Klang.

Jörg-Hannes Hahn leitete die Ensembles mit ausladender, aber präziser Gestik durch dynamische Wechselbäder. Dabei forderte er im Forte gelegentlich fast zuviel: „Denn es wird die Posaun erschallen“ wurde packend und mit großer Emotion angegangen, nahm jedoch durch eine sehr zügige Tempowahl und das Ausloten der obersten Dynamikbereiche beinahe opernhafte Züge an. Die gewaltige Spannung und der zupackende Drive der anschließenden Fuge lösten sich in der geschmeidigen Melodik des Schlusschors „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“.

Hochkarätig die Gesangssolisten: Irena Bespalovaite erzeugte in „Ihr habt nun Traurigkeit“ Gänsehaut-Gefühl. In den Chorklang eingebettet zog ihr metallischer Sopran seine Leuchtspur. Ebenbürtig der Bariton Uwe Schenker-Primus: Seine gewaltige, in allen Registern gut geführte, farblich differenzierende Stimme, machte „Herr, lehre mich doch“ zum Ereignis.