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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Bis ins Detail ausdrucksvoll

Stuttgarter Nachrichten | Verena Großkreutz

„Musik am 13.“ mit Heinrich Ignaz Franz Bibers „Rosenkranzsonaten“

In der Cannstatter Reihe „Musik am 13.“ spielte jetzt in der gut besuchten Stadtkirche das Barockensemble Ars Antiqua Austria eine Auswahl aus dem Riesenzyklus. In sechs Werken zeigte Geiger Gunar Letzbor, welche experimentelle Kraft ihnen innewohnt. Besonderes Merkmal des Zyklus ist etwa, dass die Saiten der Violine nach jeder Sonate umgestimmt werden müssen, wodurch unterschiedliche Klangfarben und -wirkungen entstehen, die sich durch die stärkere oder schwächere Spannung der Saiten ergeben.

Kräftig zupackend mit Mut zu tonproduktionsbedingten Nebengeräuschen und kontrastreich in Klangfarbe, Ausdruck und Dynamik stürzte sich Letzbor in Bibers oft tonmalerisch garnierte Variationen, Tanzsätze, Improvisationen. Fein etwa die schmachtvolle Melodik, die flinke fröhliche Courante und das kunstvoll mehrstimmige Adagio in der Sonate „Die Geburt Jesu Christi“. Und mitreißend, wie sich in der Sonate „Mariae Verkündigung“ nach rauer Folklore und dramatischem Furor aus rasend Geräuschhaftem langsam ein emphatischer Ton herauspellte. Oder wie Letzbor in der Sonate „Kreuzigung Jesu“ – befeuert von den trockenen Akkordschlägen seiner vierköpfigen Begleitband – die Saiten überraschend harsch anriss: Man assoziierte Geißelschläge, in den dazwischengeschalteten ariosen Tönen Schmerz und Leid des Sterbenden und in der rasend schnell gefetzten, flächenhaften Akkordik das Beben der Erde, das nach Matthäus auf Jesu Tod folgte. Bis ins Detail ausdrucksvoll gestaltete Letzbor auch die monumentale Passacaglia für Violine allein, mit der Biber den außergewöhnlichen Zyklus beschloss und der dem Fest des heiligen Schutzengels gewidmet ist.