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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Das Joch wird weichen

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Rainer Kellmayer

Michael Volle, Cantus Stuttgart und Concentus Stuttgart bei „Musik am 13.“

Stuttgart – Es ist kein leichtes Unterfangen, eine Konzertreihe mit programmatischer Vielfalt und künstlerischem Anspruch über Jahrzehnte auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Jörg-Hannes Hahn gelingt dies seit 20 Jahren mit den facettenreichen Konzerten der "Musik am 13.“. Während oft die Neue Musik einen Schwerpunkt dieser Reihe in Stuttgart-Bad Cannstatt bildet, erklangen im März-Konzert in der Cannstatter Stadtkirche ausschließlich Kantaten von Johann Sebastian Bach. In der Kantate „Ich habe genug“ gibt der Thomaskantor ein Zeugnis seiner tiefen Frömmigkeit, zeichnet das Bild des von Erlösung erfüllten Simeon äußerst eindringlich. Ein schwingendes Sechzehntelmotiv zieht sich durch die Eingangsarie, Terzen und Sexten prägen den schwebenden Streicherklang. Die dunkel gefärbten Töne der von Thomas Meraner klangschön gespielten Barockoboe standen im Dialog mit Michael Volle, der den Solopart ausdrucksstark gestaltete.

Der international gefragte Bassist passte die Stimmfärbung dem Textgehalt an, beeindruckte durch makellosen Vokalausgleich und Ausgewogenheit der stimmlichen Register. In den Rezitativen deklamierte er klar, machte die Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ mit weichem, biegsamem Organ zum Ereignis, um sich schließlich mit voller Klangentfaltung der Schlussarie „Ich freue mich auf meinen Tod“ zu widmen. In der Kantate „Friede sei mit dir“ trat zur konzertierenden Oboe die von Christine Busch stilsicher gespielte Solovioline, das Streicherensemble Concentus Stuttgart sekundierte sorgfältig artikulierend, Jörg-Hannes Hahn gab die musikalischen Impulse und sorgte an der Truhenorgel für das akkordische Gerüst.

Auf sicherem Fundament

Auf sicherem Fundament ließ Volle seine Stimmpracht leuchten, gestaltete jede Nuance und leitete mit dem Rezitativ „Nun Herr, regiere meinen Sinn“ über zum Schlusschoral. Hier zeigte sich der Cantus Stuttgart dynamisch stufend und mit spannungsvoll phrasierten Linien. Zum innigen Gebet machten die Vokalisten die Bach-Motette „Komm, Jesu komm“. Nach emphatischer Eröffnung und der Illustration des „sauren Wegs“ lichtete sich die Wiedergabe zum beschwingten Bekenntnis „Du bist der rechte Weg“. Hahn führte sein Ensemble mit schlichter, doch effektiver Gestik, balancierte die Stimmgruppen bestens aus und modellierte den Klang vielschichtig. Ursprünglich schrieb Bach die Solokantate „Ich will den Kreuzstab gerne tragen“ für die Sopranstimme seiner zweiten Ehefrau Anna Magdalena. Heute hört man zumeist die überarbeitete Fassung von 1732, in der er den Solopart einer tiefen Stimme übertrug.

Michael Volle interpretierte das Evangelium nach Matthäus von der Heilung der Gichtbrüchigen mit seinen fantastischen stimmlichen Mitteln, sorgte für inhaltliche Tiefe und in der Arie „Endlich wird mein Joch weichen müssen“ für stimmgewaltigen Einsatz. Dieser vokale Höhepunkt fand seine Entsprechung im vom Cantus Stuttgart mit eindrucksvoller Intensität gesungenen Schlusschoral „Komm o Tod, du Schlafes Bruder“. Zuvor hatten Christine Busch und Thomas Meraner ihre außergewöhnlichen instrumentalen Fähigkeiten in Bachs Konzert für Violine, Oboe Streicher und Basso continuo c-Moll zum Leuchten gebracht. Eingebettet in den homogenen Streicherklang führten die Soloinstrumente im Kopfsatz beredte Dialoge, zogen dann im Adagio über feinem Pizzicato-Teppich spannungsvolle Linien mit reizvollen Farbspielen der klanglich unterschiedlich gefärbten Instrumente. Mit Verve gingen Busch und Meraner das Finale an – technisch souverän und mit federnder
Artikulation.