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Stuttgarter Nachrichten | Thomas Bopp

Orgelsommer: Kurt Levorsen in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Stuttgart - Bach selbst, aber auch Orgelwerke, die in den Tonbuchstaben B-A-C-H in seinem Namen ihren Ausgangspunkt haben, stellen in diesem Jahr den Kern eines jeden Konzerts des Cannstatter Orgelsommers. Der dänische Organist Kurt Levorsen hat diesen Vorgaben mit dem ­C-­Dur-Präludium BWV 547 und fünf Chorälen aus dem 'Orgelbüchlein' Rechnung getragen, die werkbestimmende B-A-C-H Tonfolge hat er bei Bachs Schüler Johann Ludwig Krebs in dessen Fuge B-Dur Krebs WV 434 gefunden.

In seiner Darstellung von Bachs C-DurPräludium samt Fuge überzeugt von vornherein seine klangliche Realisation: Das Pleno ist kraftvoll genug, und doch lässt es den artikulatorisch profiliert gezeichneten Stimmenverlauf in allen Stimmen durchscheinen. Nicht weniger überzeugen Klanggebung und Ausdruck in den Stücken aus dem Orgelbüchlein, etwa der schön durchsichtig gehaltene Triosatz von 'Ich ruf? zu dir, Herr Jesu Christ' oder der reich ornamentierte Choral 'Wenn wir in höchsten Nöten sein'. Der 'einzige Krebs im Bache', so legt es die Musikgeschichtsschreibung Bach in den Mund, hat sich in seiner Fuge B-Dur auf die Tonfolge B-A-C-H vom bewunderten Lehrer, dem er ansonsten stilistisch gekonnt nachgeeifert hat, ein wenig absetzen wollen: Er verfährt in Fragen der Beständigkeit der motivisch-thematischen Substanz und den damit zusammenhängenden kontrapunktischen Lösungen weniger streng als der Meister. Mit seiner zunehmenden klanglichen Weite unterstreicht Levorsen hier eine beeindruckende Entwicklung auf das Fugenende hin.

Mendelssohn und Schumann hatten dem Dänen Nies Wilhelm Gade während dessen Leipziger Jahre nach Kräften unter die Arme gegriffen und ihn wohl auch geprägt: Gades Orgelstücke aus op. 22, die Levorsen lebhaft und mit dringlicher Kraft in den rahmenden Stücken und geschmeidig im mittleren Adagiosatz gleichsam zu einem konzertanten Überbau bringt, zeigen in Komposition und Ausdruckskraft den Gestus von Mendelssohns Orgelbeiträgen. Mit Peter Mollers 'Metamorphoses' auf Verse aus dem 1. Korintherbrief beschließt Kurt Levorsen das Konzert: vielschichtig in der Wahl der musikalischen Mittel wie in der künstlerischen Darstellungsweise.