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Mehr als ein Zeichen der Versöhnung

Stuttgarter Zeitung | Markus Dippold

Jörg-Hannes Hahn dirigiert Brittens 'War Requiem' in Stuttgart.

Als am 30. Mai 1962 Benjamin Brittens 'War Requiem' uraufgeführt wurde, muss das ein eindrucksvolles Ereignis gewesen sein. In der nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wiederaufgebauten Kathedrale in Coventry ertönte das Werk eines bekennenden Pazifisten, und Seite an Seite agierten Künstler aus ehemals verfeindeten Nationen. Die Aufführung, die Jörg-Hannes Hahn am Sonntagabend im Beethovensaal dirigierte, hatte vielleicht nicht die politische Bedeutung wie vor einem halben Jahrhundert in der Nachkriegszeit, doch angesichts ethnischer und religiöser Auseinandersetzungen rund um den Globus sollte man sich Brittens Botschaft durchaus verdeutlichen.

Sein Zugang zum liturgischen Requiem-Text ist ein spannender, in seiner Zeit singulärer. Immer wieder unterbrechen englischsprachige Gedichte Wilfred Owens den lateinischen Messtext. In dieser Lyrik reflektiert der 1918 gefallene Owen die Schrecken des Kriegs in drastischen Wortbildern. Von Menschen, die wie Vieh geschlachtet werden, ist ebenso die Rede wie vom Dröhnen der Kanonen. Manches berührt in seiner Wehmut, etwa wenn von der Trauer in der Abendluft die Rede ist.

Britten setzt diese Betrachtungen vom übrigen Messtext ab und verlangt zum großen Orchester ein Kammerensemble als Begleitung für die beiden Vokalsolisten. Die Homburger Kantorin Susanne Rohn übernahm die Leitung dieses seitlich im Saal platzierten Kammerorchesters. Die Vokalpartien erfüllten Matthias Klink (Tenor) und Ronan Collett (Bariton) stimmsicher, differenziert im Klang und mit Mut, auch das Grelle und Exaltierte zu bedienen.

Dem Hauptorchester (solide: Jenaer Philharmonie) und dem Chor verlangt Britten in seiner neunzigminütigen Komposition einiges ab. Ständige Taktwechsel, komplexe Rhythmen und diffizile Solopassagen überschreiten die Fähigkeiten von Laienmusikern. Doch die beiden Bachchöre aus Stuttgart und Homburg schlugen sich wacker, ließen sich aufmerksam von Hahn durch die marschähnlichen Strukturen des 'Dies Irae', die vielen Choraleinsprengsel und die harmonisch spannungsreichen Linien führen, auch wenn der Cannstatter Kirchenmusikdirektor das ein oder andere Mal gut daran getan hätte, seine Sänger und den Kinderchor aus Lodz straffer zu führen.

Doch den Gestus erfüllt Hahn angemessen. Fahle Klänge bestimmen das einleitende 'Requiem aeternam', prägnant lässt er die beiden Chöre im 'Quantus tremor' zischeln. Vor allem gelingt es ihm, den Spannungsbogen in den vielen intimen Momenten zu halten, denn oft schreibt Britten unterste dynamische Stufen vor. Ein Werk, das kein lautes Klagen und Heulen sein soll, sondern eine Einladung zur Reflexion und ein Zeichen der Versöhnung - das gelingt Jörg-Hannes Hahn und seinen Musikern.