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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Sinnvoll sinnlich

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Verena Großkreutz

Musik am 13. mit geistlichen Madrigalen Johann Hermann Scheins

Wie sein späterer Amtsnachfolger Johann Sebastian Bach betrat auch Johann Hermann Schein, Leipziger Thomaskantor von 1616 bis 1630, niemals italienische Gefilde. Reisen ins Ausland waren ihm nicht möglich. Und doch lernte Schein – wie auch Bach – Italien kennen und lieben: indem er die in Europa verbreiteten Notenausgaben der Kompositionen seiner italienischen Kollegen, etwa Claudio Monteverdis, studierte. Der europaweit rezipierte italienische Madrigalstil und seine innovativen, auch lautmalerischen Ausdrucksmittel fanden deshalb bald Niederschlag in Scheins eigenen Vokalkompositionen, etwa in der 1623 veröffentlichten Sammlung fünf- bis sechsstimmiger geistlicher Madrigale namens „Fontana d’Israel“ (beziehungsweise „Israelis Brünnlein“) auf Texte vor allem des Alten Testaments. Zwar steht Schein noch immer im Schatten des frühbarocken Meisters Heinrich Schütz, aber dass sich dies endlich einmal ändern sollte, bewies jetzt auch das jüngste Konzert der Reihe Musik am 13. in der gut besuchten Cannstatter Stadtkirche, wo zur Saisoneröffnung eine kleine Auswahl aus den insgesamt 26 Stücken der „Fontana d’Israel“ zu hören war, die Schein einst zur Verwendung bei feierlichen Anlässen jedweder Art komponierte.

Überraschende Harmonik

Mit großer Gestaltungsfreude und Einfühlungsvermögen arbeitete der Kammerchor Cantus Stuttgart in der Leitung von Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn jene kompositorischen Qualitäten heraus, die die Musik Scheins so attraktiv machen und von den Ohren dauerhaft Aufmerksamkeit einfordern: seine farbige, oft überraschende Harmonik, seine affektgeladenen, wortausdeutenden Kontraste und seine quirlig verflochtene, sowohl kunstvolle als auch enorm lebendige Polyphonie. Gelegentliche Intonationstrübungen, etwa unsaubere Einsätze der Soprane auf Hochtönen, ab und zu Schlacken im bewegten Gefüge und etwas zu vorsichtige, weil zu leise gesetzte Verzierungen minderten den sehr guten Gesamteindruck kaum.

Auswahl profilierter Stimmen

Schließlich handelt es sich bei Cantus Stuttgart nicht um ein vollprofessionelles Ensemble, sondern um eine Auswahl besonders profilierter Stimmen aus Hahns Bachchor. In Phrasierungstechnik und Dynamik sehr flexibel brachten die 16 Choristen und Choristinnen die kleinteilig und abwechslungsreich komponierten Werke zum Fließen und die Ohren zum Mitfühlen – wie etwa in der Psalmvertonung „Die mit Tränen säen“, in der das Weinen durch Chromatik hörbar gemacht wird und sich die anschließende Freude über „Die Ernte“ in tänzerischer Rhythmik Bahn bricht. Für Scheins sehr sinnliche Musik wurden die Zuhörer an diesem Abend jedenfalls gewonnen. Für kurzweilige instrumentale Zwischenspiele mit frühbarocken Werken sorgten Heike Hümmer auf der Gambe und Lautenspielerin Andrea Baur, die außerdem gemeinsam mit Peter Kranefoed an der kleinen Orgel den Chor dezent begleiteten. Meditative Stimmung verbreitete etwa Hieronymus Kapsbergers schön präludierende „Arpeggiata“ für Laute.