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Toshio Hosokawa bei „Musik am 13.“

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Verena Großkreutz

Stuttgart - Töne, die aus dem Nichts kommen und am Ende dorthin entschwinden, aufblühende und zerfallende Klänge, expressive Kulminationen, die schnell wieder im atmenden Grundpuls der Kompositionen Beschwichtigung erfahren: kein Wunder, dass Toshio Hosokawa, bedeutender japanischer Komponist der Gegenwart, in seinen konzerteinführenden Worten bildliche Entsprechungen für seine Werke findet. Wie in einem „Feuerwerk“ gingen die Motive im Klavierstück „Punkt und Linie“ auf. Von Tönen als Pinselstrichen spricht er, von Kalligraphien. Ein Ton sei ein Leben, eine ganze Landschaft, und nicht nur Teil eines großen Ganzen. Er entwickele ein stärkeres Eigenleben als in der europäischen Musik.

Hosokawa war an seinem 60. Geburtstag zu Gast in der gut besuchten Cannstatter Stadtkirche im Rahmen der Konzertreihe „Musik am 13.“ Im Porträtkonzert ihm zu Ehren spielte das exzellente Ensemble cross.art eine kleine Auswahl aus seinem kammermusikalischen Oeuvre. Hosokawa hat in den 1980er-Jahren in Deutschland studiert - bei Isang Yun in Berlin und bei Klaus Huber in Freiburg. Im kommenden Januar hat seine neue Oper „Stilles Meer“ Premiere an der Hamburger Staatsoper. Ein Werk, in dem sich der Komponist, der 1955 in Hiroshima geboren wurde, mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima und ihren Auswirkungen auf die japanische Gesellschaft beschäftigt.

Hosokawa verbindet die Klangwelt der westlichen Avantgarde mit jener traditionellen seiner Heimat. Ebenso spielt die „Nachahmung der Natur“ eine große Rolle. Das alles verleiht auch den krassesten Dissonanzen oft eine vollkommene Schönheit - etwa wenn in „Stunden-Blumen“ (nach einem Motiv aus Michael Endes Roman „Momo“) sich die imitierenden Stimmen von Klarinette, Violine, Cello und Klavier in einer ganz eigenen Art der Dramatik langsam einschwingen. Natürlich ist die melancholische Stimmung des Verblühens, des Zerfalls immer mitkomponiert: in brüchigen, zarten Klängen, die langsam veratmen. Cross.art spielte das ganz fantastisch und irisierend.

Von der Vorstellung einer „kreisenden Zeit“ spricht Hosokawa, die er aber selbstverständlich mit dem dynamischen Formverlauf und den Steigerungskurven europäischer Musik verschmolzen hat. Das betrifft auch seine „vertikale Zeitempfindung“, die sich in „Vertical Time Study“ für drei Instrumente in kurzen, harten Akzenten äußerte. Auch romantische Ausdruckswut ist ihm nicht fremd, wie Céline Papion (Cello) und Junko Yamamoto (Klavier) im „Lied III“ eindrücklich bewiesen. Und monumentale Klangauftürmungen scheinen ihm zu gefallen, wie Jörg-Hannes Hahn in „Wolkenlandschaft“ an der Orgel offenbarte. Schließlich ist die „Kraft der Natur“ eine wichtige Inspirationsquelle des japanischen Meisters.