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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Von meditativ bis poppig

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Verena Grosskreutz

„Musik am 13.“ mit Werken des Tübinger Komponisten Jan Janca in der Cannstatter Stadtkirche

Das Collegium Iuvenum ist derzeit Stuttgarts bester Knabenchor. Sein Leiter Friedemann Keck leistet zweifellos ganze Arbeit. Hörbar wurde das jetzt auch im jüngsten Konzert der Reihe „Musik am 13.“ in der Bad Cannstatter Stadtkirche: Kompakt und homogen im Zusammenklang, rein intonierend und bis zum allerjüngsten Sänger diszipliniert und konzentriert, brachten die Kinder und Jugendlichen - begleitet an der Orgel von Severin Zöhrer - geistliche Chorwerke des Komponisten Jan Janca zur Aufführung.

Janca feiert im kommenden Juni seinen 80. Geburtstag. „Musik am 13.“ widmete ihm schon vorab ein ausgiebiges Geburtstagskonzert, in dem eine Auswahl an geistlicher Musik aus seinem umfangreichen Oeuvre zu hören war. Der 1933 in Danzig geborene Janca wuchs deutsch- und polnischsprachig auf und lebt seit 1957 in Deutschland. Er studierte Komposition an der Stuttgarter Musikhochschule bei Johann Nepomuk David und arbeitet seit 1962 in Tübingen als Musiklehrer, Komponist, Musikforscher und Organist. Mehrfach geehrt wurde Janca, der sich selbst gerne als Kosmopolit bezeichnet, für sein Engagement für die Versöhnung und Verständigung Deutschlands und Polens.

Eingängige Gesänge

Mit zwei eingängigen Gesängen für vierstimmigen gemischten Chor und Orgel widmete sich das Collegium Iuvenum zunächst frühen Stücken Jancas von 1959. Keine komplizierte Musik: Dur-moll-tonaler Schönklang in meditativ-entspanntem Gleichmaß der Strophenform. Gesänge zur Ehre Gottes auf anonyme geistliche Texte: „Wie mein Gott will, bin ich bereit“ oder „Schönster Herr Jesu“.

Als satztechnisch wesentlich komplexer, aber nicht weniger klangsinnlich offenbarte sich die Missa „Orbis factor“ (Weltenschöpfer) für gemischten Chor und Orgel von 2005, deren kontrastreiche, farbige, bis zur Bitonalität erweiterte Klangwelt Janca als einen ambitionierten Harmoniker zeigt. Zwischen den Chorwerken und einer Lesung aus Edzard Schapers Roman „Der vierte König“ durch den Pfarrer der Lutherkirche, Gerd Mohr, der kurzfristig für die erkrankte Rezitatorin Sybille Duvill eingesprungen war, spielte Ludger Lohmann, Professor an der Musikhochschule Stuttgart, Orgelwerke Jancas. Dass der Komponist, der selbst ein versierter Organist ist, dem französischen Orgelstil nahesteht, schlug sich in der „Suite romantique“ von 1985 nicht nur im Titel nieder: Es machte Ludger Lohmann hörbar Spaß, in diese farbenprächtige Klanglichkeit einzutauchen, rosaroten Orgeldonner zu entfachen, in schönster Dur-Moll-Tonalität inklusive poppiger Melodik zu schwelgen, die freilich immer wieder aufs Neue durch grell dissonierende Umspielungen und Akkordik attackiert und mehr und mehr überlagert wird.