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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Witz und Klangpracht

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Dietholf Zerweck

Liedkunst der Renaissance in der Reihe „Musik am 13.“

Stuttgart - 1515, im selben Jahr wie der Herzog Christoph von Württemberg, kam der Renaissancemusiker Caspar Othmayr im oberpfälzischen Amberg zur Welt. Ihm, dem heute weithin vergessenen Magister Artium, hat das Stuttgarter Alte-Musik-Ensemble Lala Höhö zum 500. Geburtstag das Saisoneröffnungskonzert der Reihe „Musik am 13.“ in der Cannstatter Stadtkirche gewidmet. Othmayr, der als Chorknabe in der Heidelberger Hofkapelle sang und zum Komponisten ausgebildet wurde, lernte dort in dem berühmten Arzt und Musiker Georg Forster einen Freund fürs Leben kennen. Bei dem später in Nürnberg tätigen Forster, dem Herausgeber der umfangreichen Liedsammlung „Frische Teutsche Liedlein“, einer der wichtigsten Quellen deutscher Renaissancemusik, ist Othmayr 1553 gestorben.

Widmung an Herzog Ulrich

Das erste Othmayr-Stück, welches die Sänger und Instrumentalisten von Lala Höhö darboten, ist mit seinem lateinischen Bandwurm-Titel eine Widmung an Württembergs Herzog Ulrich, den Vater von Christoph. Es stammt aus Othmayrs Sammlung von „Symbola“: Vertonungen moralisch-theologischer Lehrsätze, die als musikalische Signaturen auf zeitgenössische Persönlichkeiten gemünzt sind. Der Tenor Andrés Montilla-Acurero wandelte mit seinem Cantus Firmus die Emporen der Stadtkirche entlang, das Quartett mit Gamben, Gitarre und Dulcian spielte dazu den Instrumentalsatz, der von Oberstimme, Alt und Bass sängerisch reich figuriert wird.

Der Brasilianer Giomar Garcia Sthel, der 1986 nach Europa kam, hat nach einer langjährigen Konzerttätigkeit als Pianist und Gambist 2010 Lala Höhö in Stuttgart gegründet: Das klangprächtige Ensemble umfasst Musiker aus Europa, Südamerika, Japan und Taiwan. Im Othmayr-Konzert bildeten Claudia Habermann, Jacopo Facchini, Montilla-Acurero und Simón Millán das gut aufeinander abgestimmte Vokalquartett, Patrick Denecker brillierte auf Blockflöte, Dulcian und Krummhorn, Francesco Tomasi auf Laute und Gitarre, Kentaro Nakata spielte Gambe, und Sthel wechselte zwischen Gamben und Dirigieren.

Letzteres war vor allem bei den komplexeren geistlichen Liedern wie dem Martin Luther gewidmeten „Viri sancti ac magni“ gefragt. Othmayr, der mit seinem musikalischen Schaffen nicht zuletzt für die Ideen der Reformation kämpfte, integriert auch Choräle in kunstvolle Instrumentalsätze.

Trinkfeste Mannen

Bei Volksliedern wie „Ich weiß mir ein Maidlein hübsch und fein“ sind die fortschreitende Erweiterung und Variation der Melodie und Harmonik von großem Reiz. Hier brachten die Sänger von Lala Höhö auch den Witz und Humor zur Geltung, etwa wenn die Sopranistin dem Burschen angesichts zweier „Brüstlein, die sind weiß / Sie legt’s herfür mit allem Fleiß“ den Rat gibt: „Hüt Du Dich, vertrau ihr nicht. Sie narret dich.“ Großen Beifall in der gut gefüllten Stadtkirche gab es auch für die Interpretation von Othmayrs lateinisch-deutschem Trinklied „Vidi alios intrantes“, wo der Tenor ins kunstvolle Madrigal hineinblökt: „Da trunken sie die liebe lange Nacht, bis dass der helle Morgen anbrach…“

Ein weiteres Geburtstagskonzert bei „Musik am 13.“, diesmal für einen lebenden Komponisten, feiert am 23. Oktober in der Cannstatter Stadtkirche den 60. von Toshio Hosokawa.