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Wir veröffentlichen Pressestimmen zu den Veranstaltungen der Reihe Musik am 13. mit freundlicher Genehmigung der genannten Medien.

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Zerklüftete Rhythmen

Esslinger / Cannstatter Zeitung | Angela Reinhardt

Chorwerke von Brahms und Axel Ruoff bei der Cannstatter „Musik am 13.“

Stuttgart - Was für ein schöner, reizvoller Kontrast, von dem dieses Konzert lebte: Den tröstlichen, in sich ruhenden Kompositionen von Johannes Brahms standen beim Auftakt zur diesjährigen Saison von „Musik am 13.“ in der Cannstatter Stadtkirche die konfliktreichen, rhythmisch oft schroffen Chorwerke des Stuttgarter Komponisten Axel Ruoff gegenüber. Dieter Kurz und sein Württembergischer Kammerchor verbanden sie in ihrer klaren, offenen Musizierweise zu einem so interessanten wie ungewöhnlichen kirchenmusikalischen Dialog.

Das abschließende Amen von Brahms’ geistlichem Lied „lass dich nur nichts nicht dauern“ blühte bei Kurz und seinem Chor in sanft strahlender Zuversicht auf. Den vier Sätzen einer unvollendeten Brahms-Messe wurde eine Missa brevis von Ruoff vorangestellt, beide verbanden sich so zur vollständigen Messe. Ruoffs gedämpftem Kyrie folgte ein volles, starkes Gloria, über den düsteren Orgelpunkten setzte die Stimme von Sopranistin Johanna Zimmer helle Tupfer oder auch Schreie. Das Sanctus von Brahms klang danach wie die Antwort des wissenden Christen auf die Fragen des zweifelnden Gläubigen.

In fast schon jenseitiger Versunkenheit spielte die Slowakin Bernadetta Sunavska das Choralvorspiel „O Welt, ich muss dich lassen“, Brahms’ letzte Komposition und hier eine Art Wendepunkt des Abends. Denn Axel Ruoffs halbstündige Kantate „Die Hexe von Endor“ erwies sich als dramatische, stark rhythmische und sehr präsente Musik.

Harte Schläge, dunkle Klänge

Das Werk wurde im Juni im französischen Bourget-du-Lac uraufgeführt und vertont eine in der Bibelauslegung umstrittene Episode aus dem ersten Buch Samuel, in welcher der Geist eines Toten heraufbeschworen wird. Ruoffs Musik erinnert an Arthur Honegger, klingt eher praxisorientiert als zu avantgardistisch. Vor allem in ihren zerklüfteten Rhythmen, den scharfen Akzenten entwickelt sie immer wieder einen improvisatorischen Charakter, gerade im langen Orgelvorspiel. Bei der Vertonung orientiert sich der Komponist gerne an einzelnen Worten - es setzt harte Staccatoschläge für die Philister, der Klang wird verdunkelt auf „Zeichendeuter“. Den Farbenreichtum der Partitur erzielt Ruoff durch über ein Dutzend Perkussionsinstrumente, die unter sämtlichen Mitwirkenden verteilt sind.

Obwohl sich die anfangs einstimmige, rezitativische Erzählung des Chors immer weiter verzweigt und verästelt, obwohl seine Aufgaben mit Zischen, Summen und Echoeffekten immer komplizierter werden, erstrahlte die Aufführung in einer bewundernswerten Klarheit und Stringenz. Dirigent Kurz sorgte nicht nur für perfekte Ausgewogenheit zwischen Solisten, Chor und Orgel, sondern für eine spannende Dynamik. Auch die drei Solisten überzeugten vor allem durch Klarheit: Georg Kalmbach als Saul, Albrecht Meincke als Samuel und als charakteristische Wahrsagerin (das Wort Hexe kommt in Luthers Übersetzung nicht vor), vor allem die Mezzosopranistin Sabine Czinczel mit exotischen Melismen oder gejaulten Lauten. Sie alle wurden vom Publikum ebenso herzlich beklatscht wie vom anwesenden Komponisten umarmt.