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Alles von Bach ist fantastisch


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Dávid Szigetvári singt die Tenorpartie im Weihnachtsoratorium

Der Tenor Dávid Szigetvári

Wenn man Dávid Szigetvári singen hört, spürt man sehr deutlich sein Bedürfnis, seine Zuhörer unmittelbar zu berühren, ohne vordergründig zu werden. Der 1984 im südungarischen Kecel geborene Tenor verbindet größtmögliche musikalische Klarheit mit einer speziellen persönlichen Note; dem gewissen Etwas. Anlässlich seines Deutschland-Debüts in einer Matthäus-Passion bescheinigten ihm die Stuttgarter Nachrichten 2012 „spektakuläre Gestaltungskraft“. Trotz seiner unbestreitbaren stimmlichen Agilität, die sich vor zügigen Tempi nicht zu scheuen braucht, mag Szitgevári in dieser Hinsicht keine Übertreibungen: „Ich glaube, man nimmt Alte Musik heute oft viel zu schnell“, sagt er und erinnert sich an die eine oder andere Diskussion mit dem jeweiligen Dirigenten zu diesem Thema: „Bei Vivaldi und Händel finde ich das in Ordnung, aber gerade Bach könnte man nicht selten eher langsamer interpretieren“. Mit Jörg-Hannes Hahn scheint Szigetvári sich jedenfalls einig zu sein – seit Jahren hat er in Bad Cannstatt regelmäßig in Passionen und Oratorien mitgewirkt.

Ist das nun erneut anstehende Weihnachtsoratorium etwas Besonderes für ihn? Szitgevári zögert ein bisschen: „Weihnachten bedeutet für einen Sänger ja eher Arbeit“, sagt er und verweist darauf, dass aus seiner Sicht „alles von Bach fantastisch“ sei. Jedes einzelne von dessen Werken – und er hat schon viele davon gesungen – sei etwas Besonderes, und das Musizieren in einer Kirche auch. Ein Moment des Nachdenkens, und dann: „Doch, ich glaube schon, bei den Zuhörern des Weihnachtsoratoriums zu erkennen, dass sie von der Hoffnung, die dieses Werk nicht zuletzt in den Chorälen ausstrahlt, besonders berührt sind“. Gerade die Choräle, und dies gilt nun auch für andere Bach-Werke, seien ebenso schlicht wie komplex, und sie gingen direkt zu Herzen: „Man spürt dann, dass es bei Weihnachten nicht ums Einkaufen geht, sondern um Gemeinschaft“, sagt Szigetvári.

„Bach war immer da“, erinnert sich der Sänger, schon in seiner Kindheit, und erst recht, als er im jugendlichen Alter das Cembalospiel lernte. Dass seine Stimme sich gerade für die Alte Musik gut eignet, kam eher durch einen Zufall ans Licht und wurde später, das war 2012, durch den 1. Platz beim renommierten Bach-Wettbewerb in Leipzig spektakulär bestätigt. Heute gilt ungefähr die Hälfte von Szigetváris Konzerten den Werken von Johann Sebastian Bach, was dem Tenor einerseits noch immer Gänsehaut-Momente beschert, was er andererseits aber auch ganz pragmatisch zu sehen im Stande ist: „Man hat eine Stimme, und man muss sie benutzen“, sagt er und ergänzt: „Ich würde auch Wagner singen, wenn ich es könnte!“ Eine Karriere in der Alten Musik, wo sich wie kaum anderswo eine starke Spezialisierung ausgeprägt hat, stoße schon mal an die Grenzen der sprichwörtlichen Schublade, aber schließlich handele es sich um „eine sehr schöne Schublade“, sagt der Tenor und wirkt dabei kein bisschen unzufrieden. Immerhin ergab sich schon mehrfach die Gelegenheit für Ausflüge auf die Opernbühne, die Szigetvári sehr genossen hat – in Passau und Nürnberg trat der Tenor in der Monteverdi-Oper „Il ritorno d’Ulisse in patria“ auf.

Dávid Szigetvári lebt seit einigen Jahren in Berlin. Nicht nur, aber auch, weil sich sein Heimatland Ungarn in letzter Zeit sehr verändert hat: „Ich habe dort immer wieder Konzerte, aber es herrscht inzwischen eine kühle Atmosphäre vor“, erzählt er. Berlin hingegen habe ihn schon bei der allerersten Landung auf dem Flughafen für sich eingenommen: „Ich fühlte mich sofort zu Hause“, freut sich der schon in jungen Jahren weit herumgekommene Sänger, „das war einmalig“.


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