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Jörg-Hannes Hahn feiert die abgeschlossene Renovierung der „Lutherorgel“

Der musikalische Hausherr Jörg-Hannes Hahn, Foto: Roberto Bulgrin
Der musikalische Hausherr Jörg-Hannes Hahn, Foto: Roberto Bulgrin

Die Walcker-Orgel der Cannstatter Lutherkirche von 1966 war zu Beginn der 90er Jahre schon einmal sorgfältig und grundlegend überholt worden. Jetzt haben die Orgelbaumeister Michael Mauch und Tilman Trefz das Instrument erneut saniert und auf kluge Weise mehr daraus gemacht. Neben den erforderlichen Maßnahmen zur Bestandserhaltung verwendeten sie ein Drittel ihrer Arbeit auf eine klangliche Erweiterung der Orgel. Drei Register wurden ausgetauscht, ein viertes kam hinzu. So tönt das Instrument jetzt nicht nur strahlender, sondern ermöglicht auch vielfältigere Klangkombinationen, die sich speziell für das romantische und das französische Repertoire anbieten. Orgelbaumeister Trefz: „Die teurere Alternative wäre eine neue Orgel gewesen.“ Aber die hat man nun beinahe.

Beim Einweihungskonzert spielte der musikalische Hausherr Jörg-Hannes Hahn Kompositionen von Johann Ludwig Krebs, Franz Liszt und Max Reger über die Tonfolge B-A-C-H.  Hinzu kamen eine Sonate des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel, dessen Orgelgesamtwerk Hahn vor zehn Jahren einspielte, und ein Choralvorspiel des Thomaskantors selbst. Hörbar inspiriert, zog Hahn alle Register seines Könnens und des neuen Instruments. Das Programm von Barock bis Spätromantik fächerte, hochvirtuos gespielt, sämtliche Facetten der raffiniert registrierten Orgel auf. Selbst Altmeister Bach geriet dabei französisch-impressionistisch.

Die gesamte Renovierung kostete über 100.000 Euro, die die Luthergemeinde allein aufbringen musste, denn Orgeln gehören budgetär nicht zur Immobilie. Dies gelang mit 24 Benefizkonzerten und zahlreichen weiteren Spenden, wie Ulrich Dreesman, Pfarrer an der Lutherkirche, stolz berichtete. Der Orgelbauer-Stand hat es gegenwärtig nicht leicht, seine Substanz schwindet parallel zu der der Kirchen. Mauch und Trefz erhoffen sich nachhaltige Anerkennung für ihr Tun durch die erst jüngst erfolgte Aufnahme von deutschem Orgelbau und deutscher Orgelmusik in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Tatsache ist, dass dieses hohe kulturelle Gut hierzulande von nur wenigen hauptamtlichen, aber zehntausenden ehrenamtlichen Organisten ausgeübt wird. Möge es noch lange dauern, bis die Orgelbaukunst auch in die Sonder-Liste des „dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes“ aufgenommen werden muss, wie zuletzt die botswanische Dikopelo-Musik oder die türkische Pfeifsprache.


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