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Die Zuhörer sitzen mitten im Klanggeschehen


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Jörg-Hannes Hahn über seine Aufführung von Zimmermanns Requiem

Jörg-Hannes Hahn führt Zimmermanns Requiem auf. Foto: Roberto Bulgrin

Petra Heinze: Das „Requiem für einen jungen Dichter“ von Bernd Alois Zimmermann verlangt ein Sinfonieorchester, eine Jazz-Combo, Gesangssolisten, Sprecher, Tonbandeinspielungen und drei Chöre. Was erwartet uns da für ein Klangerlebnis?

Jörg-Hannes Hahn: Der Aufwand an diesem Konzertabend ist mit knapp 200 Mitwirkenden enorm. Das Publikum wird von mehreren Seiten mit Klängen umhüllt: Solisten, Sprecher, Band, ein Chor und Orchester musizieren vorne in der Kirche. Zwei weitere Chöre musizieren von den Emporen und das SWR-Experimentalstudio stellt eine Klangkuppel für die Sprach- und Musikzuspielungen her, die die Zuhörer von allen Seiten umgibt. Sie sitzen also mittendrin im Klanggeschehen.  

Petra Heinze: Haben Sie das Requiem selbst schon gehört und was war Ihr stärkstes Erlebnis dabei?

Jörg-Hannes Hahn: Als vor über 30 Jahren Manfred Schreier dieses Werk in der Stuttgarter Liederhalle aufführte, spielte ich den Orgelpart. Schon damals machte dieses Werk stärksten Eindruck auf mich. Zunächst wegen des großen Aufwandes, aber auch wegen der äußerst komplexen Verzahnung der Textkollagen mit den Live-Texten und der Musik. Dieses Werk wirkt am Anfang durch die langen Tonbandeinspielungen fast monoton und statisch. Es entwickelt sich aber immer mehr zu einem äußerst ausdrucksstarken Werk mit hochverdichteten und mit kammermusikalischen Passagen.

Petra Heinze: Das Werk ist 50 Jahre alt und verarbeitet Politisches aus der Zeit von 1918 bis 1969. Ist das noch aktuell oder mutet es schon historisch an?

Jörg-Hannes Hahn: Die Musikentwicklung ist in den letzten 50 Jahren weit vorangeschritten, so dass viele der bahnbrechenden Neuerungen dieses Werkes heute nicht mehr als modern empfunden werden. Dennoch kann man sich seiner Wirkung nicht entziehen und es wirkt alles andere als museal. Das Grundthema ist die verzweifelte Bitte, ja der Schrei nach Frieden. Das ist heute so aktuell wie in vergangenen Zeiten. Denken wir an die Dummheit politisch Verblendeter in unserem Land und an das grassierende Ich-zuerst-Denken vieler Verantwortlicher in Europa und auf der Welt, denen Frieden und tolerantes Miteinander nicht als eines der kostbarsten Güter gilt.

 

Das „Requiem für einen jungen Dichter“ erklingt am 9. Februar um 19 Uhr in der Lutherkirche Bad Cannstatt. Um 18.15 Uhr hält Andreas Dorfner eine Einführung. Karten erhalten Sie unter www.easyticket.de


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