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Gesunden mit Bach


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Die Sopranistin Yuna-Maria Schmidt im Portrait

Yuna-Maria Schmidt konzentriert sich auf Bach, wenn sie erkältet ist

„Wenn ich erkältet bin, konzentriere ich mich auf Bach“, sagt Yuna-Maria Schmidt. Seine Musik tue ihrer Stimme einfach gut, erklärt die junge Sängerin, die am Karfreitag in der Johannes-Passion in der Lutherkirche Bad Cannstatt die Sopranpartie übernimmt. Im Rückblick war es also ganz richtig, dass die musikalische Entwicklung von Yuna-Maria Schmidt von ihrem allerersten Instrument eher wegführte – denn für die Harfe, mit der sie als Kind begann, hat Johann Sebastian Bach rein gar nichts komponiert.

Erst mit der Entdeckung der eigenen Gesangsstimme sei sie der Musik des Thomaskantors näher gekommen, erzählt die Sängerin, die einem musikalischen Elternhaus entstammt: „Wenn ich von der Schule kam, hat zu Hause eigentlich immer jemand geübt“, die Mutter am Klavier, der Vater am Kontrabass, den er zeitweilig auch im SWR Symphonieorchester spielte. Ihre Musikalität wusste Yuna-Maria Schmidt schon als Schülerin fruchtbringend einzusetzen, denn als so genannte Jahresarbeit präsentierte sie anstelle der ungeliebten Referate regelmäßig ein Harfenkonzert mit dem Orchester ihrer Waldorfschule. „Die Mitschüler fanden das eigentlich ganz gut“, erinnert sich die Sängerin.

Yuna-Maria Schmidt wurde in Kassel geboren, was, wie sie sagt, angesichts der häufigen Umzüge der Familie nicht mehr viel zu bedeuten hat. Sie wurde in Mannheim, Stuttgart sowie in Japan ausgebildet und lebt heute in der Nähe Münchens. Meisterkurse besuchte sie bei so unterschiedlichen Sängern wie Edda Moser, Hedwig Fassbender und Francisco Araiza. Rezensionen loben ihre reine Intonation und leuchtenden hohen Register – „fast engelhaft“ erschien sie einem Kritiker. Auch wenn sie hin und wieder eine Arie zu italienischen Opernabenden beisteuert, fühlt sie sich in der Barockmusik heimisch. „Ich finde zu ihr leichter einen Zugang, auch emotional“, sagt Yuna-Maria Schmidt. Sie hört sich zwar hin und wieder auch alte Bach-Aufnahmen wie jene von Richter oder Karajan an, wurde aber doch mit der historisch informierten Aufführungspraxis musikalisch sozialisiert. Bei der Musik am 13. trat sie bereits in Bachs Markus-Passion auf. In Stuttgart wirkte sie darüber hinaus bei der Jungen Oper mit und sang vor einigen Jahren auch ihre erste Johannes-Passion mit dem Württembergischen Kammerchor.

„Ich habe von Anfang an die emotionale Kraft dieses Werks gespürt“, sagt Yuna-Maria Schmidt, „das hat etwas Überirdisches“. Auch aus diesem Grund freut sie sich besonders auf das Konzert in Bad Cannstatt: „Es gibt zwar in der Sopranpartie auch ein paar technisch heikle Stellen, aber das Wichtigste ist, die Botschaft zu erfassen“. Wenn man sich eine Sängerin auch als Erzählerin vorstellt, die ihren Anteil an einer Geschichte überzeugend gestalten muss, könnte Yuna-Maria Schmidt sich von der Bedeutung ihres ersten Vornamens unterstützen lassen. Ihre koreanische Mutter übersetzte ihn ihr so: „Die, die gute Eigenschaften weitergibt“.


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