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Großer musikalischer Tiefgang


Von

Jörg-Hannes Hahn über die neue Fassung der Markus-Passion von Johann Sebastian Bach

Jörg-Hannes Hahn, Foto: Roberto Bulgrin

Petra Heinze: Herr Hahn, Sie führen am Karfreitag in der Lutherkirche Bad Cannstatt Bachs Markus-Passion in der neuen Fassung von Andreas Fischer auf. Sie erklingt erstmals in Süddeutschland. Was ist das Besondere an ihr?

Jörg-Hannes Hahn: Viele andere Bearbeiter setzten Musik anderer Komponisten unter den Text der überlieferten Markuspassion oder sie komponierten selbst. In unserer Fassung wird ausschließlich Musik von Johann Sebastian Bach erklingen. Mein Kollege Andreas Fischer suchte sie aus dem reichen Schatz der Bach’schen Vokalwerke überaus gekonnt aus. Er verwendete dazu das früher ganz übliche Parodieverfahren.

Petra Heinze: Was ist damit gemeint?

Jörg-Hannes Hahn: Vorhandenem Text wird neue Musik unterlegt oder vorhandener Musik wird neuer Text unterlegt, wie wir es beispielsweise vom Bach’schen Weihnachtsoratorium kennen: Hier sind ausnahmslos alle Chorsätze und Arien zunächst zu weltlichen Texten komponiert worden und Bach hat später die freien Texte zur Weihnachtsgeschichte von Picander seiner schon vorhandenen Musik unterlegt.

Petra Heinze: Wie sind Sie auf die Fassung  aufmerksam geworden?

Jörg-Hannes Hahn: Ich bin halt immer neugierig, was es musikalisch oder kirchenmusikalisch auf der Welt so gibt. In einer Fachzeitschrift wurde darauf hingewiesen, dass die Noten im Herbst in einer Druckfassung erscheinen würden und ich war sicher einer der ersten, der die Partitur bestellte.

Petra Heinze: Wie klingt sie im Vergleich zu früheren Fassungen?

Jörg-Hannes Hahn: Gekonnt und schlüssig! Ich glaube, dass diese Fassung das Zeug hat zur dritten großen Bach-Passion zu werden. Es gibt zauberhaft instrumentierte Arien, harmonisch kühne Rezitative, packend-dramatische Chorsätze und ausgesprochen viele Choräle. Das Werk ist in zwei Teilen komponiert und dauert etwa zwei Stunden. Es zeichnet sich durch großen musikalischen Tiefgang aus.

Petra Heinze: Worauf freuen Sie sich am meisten?

Jörg-Hannes Hahn: Dass ich tatsächlich eine Erstaufführung von Bach’scher Musik machen darf, ist extrem ungewöhnlich und freut mich sehr. Ich habe viele Ur- und Erstaufführungen geleitet, aber zwei Stunden Bach mit einem durchgehenden dramaturgischen Bogen sind eine schöne Herausforderung.


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