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Klanglich ausladend und sehr plastisch


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Bachs Johannes-Passion in der Lutherkirche Bad Cannstatt

Der Bachchor Stuttgart, Foto: Victor S. Brigola

Sie zählt zum bekanntesten, was Johann Sebastian Bach in den langen Jahren als Kantor der Thomaskirche in Leipzig geschrieben hat: die Johannes-Passion, uraufgeführt 1724 und in der Folge von Bach mehrere Male umgearbeitet, zuletzt 1749. Jörg-Hannes Hahn stellte das Werk im Karfreitagskonzert in der Lutherkirche Bad Cannstatt vor.

 Als Hauptdarsteller bleibt nach diesem Tag vor allem der überaus präsente Bachchor in Erinnerung – eigentlich kein Wunder angesichts der zahlreichen Turba-Chöre der Johannes-Passion, in denen die aufgebrachte Volksmenge zu Wort kommt. Hahn schärfte deren Aussage durch überdeutliche Aussprache und betonte Rhythmik. Hier und in den Chorälen – der Stimme der gläubigen Gemeinde – arbeitete er mit stellenweise sehr ausgeprägten Tempi und klaren dynamisch Abstufungen.

 Das kam einerseits der Dramatik des Geschehens zugute, andererseits stand die klangliche Wucht des Chors zu Beginn in einem unausgewogenen Verhältnis zu den Solisten, die denn auch gelegentlich forcierten, ansonsten aber sehr unterschiedlich agierten: Souverän trotz ihres gelegentlich unruhigen Vibratos und in „Es ist vollbracht“ mit aller Zeit der Welt agierte Altistin Sonja Koppelhuber. Solide und beweglich zeigte sich Uwe Schenker-Primus in den Bassarien, sonor der Jesus von Markus-Lemke, während Sopranistin Yuna-Maria Schmidt durch warm leuchtenden Ton glänzte und in „Zerfließe, mein Herze“ in scheinbar endlosen Bögen zu mystischer Versenkung einlud.

 Das hervorragende und von Jörg-Hannes Hahn überlegen und klug geführte Bachorchester überzeugte; in ihm ragten neben seidig-weichen Streichertönen die bewegliche Flöte und die überaus plastisch klagenden Oboen heraus. Insgesamt ein bewegendes Passionserlebnis, vom Publikum in der vollbesetzten Lutherkirche mit herzlichem und andauerndem Beifall bedacht.

 

 

 


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