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Orgel und Klavier – ja, geht das denn?


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Ludmila Golub und Valeria Anfinogenova spielen in ungewöhnlicher Kombination

Die russische Organistin Ludmila Golub liebt französische Musik

„Freundschaft ist die Grundlage unseres Zusammenspiels“, sagt Ludmila Golub über ihre langjährige musikalische Partnerschaft mit Valeria Anfinogenova. Orgel und Klavier, das klingt kompliziert und nach der Notwendigkeit vieler Proben. Doch die beiden Musikerinnen, die auch als Solistinnen einen ausgezeichneten Ruf genießen und im Musikleben ihrer russischen Heimat gut vernetzt sind, lassen sich nicht einmal von der Entfernung zwischen ihren Wohnorten Moskau und Sotschi abschrecken, die immerhin doppelt so weit auseinander liegen wie Hamburg und München. Jahr für Jahr geben sie mehrere Konzerte als Duo, gelegentlich vierhändig an einer Orgel oder am Klavier, zumeist aber Golub an der Orgel und Anfinogenova am Piano.

Auch wenn sich die organisatorischen Hürden für dieses ungewöhnliche Spiel im Duett offenbar überraschend leicht überwinden lassen: „Das ungewöhnliche musikalische Miteinander ist doch speziell“, sagt Ludmila Golub, „das Hauptproblem ist dabei die klangliche Ausgewogenheit“. Abgesehen von der grundsätzlich sehr unterschiedlichen Lautstärke von Orgel und Klavier sind die Instrumente, je nach Anordnung in einem Konzertsaal oder einer Kirche, manchmal ziemlich weit voneinander entfernt. Und selbst wenn die Spielerinnen nah beieinandersitzen können, wird der Klang einer Orgel nicht direkt am selben Ort erzeugt, weil der sogenannte Spieltisch in erheblicher Entfernung vom eigentlichen Instrument aufgestellt sein kann.

Trotz solcher Herausforderungen fand Ludmila Golub es schon immer interessanter, nicht alleine zu musizieren. Ob mit Sängern, mit Chören, anderen Instrumentalisten, mit oder im Orchester – seit ihrer Kindheit liebt die Organistin die musikalische Partnerschaft mit Anderen, was für ihre Zunft nicht selbstverständlich ist. Die ungewöhnliche Paarung mit einem Klavier geht auf eine Idee des Pianisten Nikolai Petrov zurück. Dieser fragte seinen Kollegen Tigran Alikhanov, Ludmila Golubs Ehemann, ob er seine Frau für die Dauer einer Konzertsaison ausleihen könne, worauf nach offenbar irritierter Reaktion des Gatten die Klarstellung “als Organistin, natürlich” notwendig war, wie sich Golub erinnert.

Jedenfalls war der Anlass eine Originalkomposition für Orgel und Klavier von Marcel Dupré, die Petrov entdeckt hatte, und durch Kontakte mit französischen Kollegen fanden sich weitere Werke für die aparte Kombination. Das Notenmaterial brachte der Titularorganist von Notre Dame de Paris, Olivier Latry, anlässlich einer Konzertreise mit nach Moskau. Petrov und Golub führten diese Musik überhaupt erstmals in Russland auf, und die Liebe zu Frankreich und zur französischen Musik ist bei Ludmila Golub seitdem nie mehr erloschen. „Komponisten wie Dupré, aber auch Franck, Langlais, Saint-Saëns und Widor haben nicht wenige Werke für Orgel und Klavier geschrieben“, sagt die Organistin und führt dies auf die spezifische Hausmusiktradition des Landes zurück. „Dort wurde um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert häufig mit Klavier und einer Hausorgel musiziert, oder einem Harmonium“.

Bei der Musik am 13. stellen Ludmila Golub und Valeria Anfinogenova dieses überaus reizvolle Repertoire mit ausgewählten Werken von Saint-Saëns, Dupré und Langlais vor und lassen eine hoch interessante Epoche der Musikgeschichte wiederaufleben. Wenn diese Originalwerke die eher ernsthafte Seite der Zusammenarbeit von Golub und Anfinogenova repräsentieren, gönnen sich die Musikerinnen gelegentlich auch unterhaltsame Ausflüge: Nur wenige Tage vor ihrem Konzert in Bad Cannstatt beispielweise nach Baden-Baden, wo sich einst ihr berühmter Landsmann Leo Tolstoi beim Glücksspiel fast ruinierte: „Baletomagiya“, Zauber des Balletts, nennen die beiden Russinnen ihr Programm mit tänzerischen Arrangements von Glinka bis Chatschaturjan. Wer weiß, vielleicht lassen Ludmila Golub und Valeria Anfinogenova bei der Musik am 13. ja sogar die Säbel tanzen, als Zugabe…


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